Die FGN J-Standard Odyssey SC Gitarre im Test

Es gibt eine Menge Dinge, die einen Gitarristen begeistern können. Wenn man jedoch mal einen gewissen Standard erreicht hat, ändert sich dies häufig. Da muss es dann oft Custom sein, oder handgebaut, am liebsten noch eine uralte Sonderedition. Ist schon merkwürdig, wie der Wunsch nach dem perfekten Sound dann in späteren Lebensstadien offenbar konsequent von einem leeren Portemonnaie verfolgt wird. Schön ist es dann wiederum zu sehen, wenn Gitarren aufkommen, die mit den Standards brechen. Modelle, die nicht mal die Hälfte des Preises eines vermeintlich höherwertigen Modells kosten. Die es dabei aber trotzdem schaffen, den Gitarrenspieler zu begeistern. Sei es mit der Verarbeitung, dem Sound, der Bespielbarkeit, oder mit allem zusammen. Die J-Standard Odyssey von FGN ist so eine Gitarre. Schlicht im Äußeren, denkt man sich zu allererst einmal: Okay, muss ich mir genauer anschauen. Aber der nächste Blick offenbart dann direkt die Klasse, mit der FGN bei der Gitarrenproduktion zu Tage tritt.

Daher haben wir für Dich heute die J-Standard Odyssey im Test genauer untersucht – und wir sind begeistert.

Und ganz nebenbei: Zu gewinnen gibt es das gute Stück auch noch. Hier in unserer großen Verlosung auf LOUDER.com

FGNs J-Standard ODyssey
Die J-Standard Odyssey von FGN. Copyright @ LOUDER.com.

FGN J-Standard Odyssey – Gigbag und Verarbeitung

Zu allererst einmal ist es schön zu sehen, wenn Gitarren im Gigbag verschifft werden. Das sollten alle Hersteller machen. Das Gigbag der FGN J-Standard Odyssey Gitarre ist jetzt nicht sonderlich robust oder dick gepanzert, aber das macht nichts. Der Preis der Odyssey tituliert sie zwar nicht als Einstiegsmodell, aber ein Gigbag ist in der Klasse nicht die Regel. Also von vornherein schon mal ein schicker Schachzug. Und eine Straße zum Jam mit dem besten Kumpel kann man damit alle Male überqueren.

Beim Auspacken der Gitarre gesellt sich dann plötzlich ein ganz merkwürdiges Gefühl dazu. So etwas wie Ungläubigkeit. Moment, ist das echt eine neue Gitarre für nur knapp 800 Euro in meinen Händen?

Die Verarbeitung erscheint auf den ersten Blicken makellos. Vor allem der Hals liegt super in der Hand. Die Saitenspannung erscheint bei den ersten Chords zwar etwas straff, aber daran gewöhnt man sich schnell. Denn der Hals und das Griffbrett machen Bock auf mehr. An keiner Stelle steht ein unsauber verarbeitetes Bundstäbchen über und schmälert den ersten Eindruck. Da merkt man direkt, dass Fujigen früher für die ganz Großen produziert und dabei mehr als nur ihre Hausaufgaben gemacht haben. Mit gut spielbaren Gitarren und Griffbrettern kenne sich die Japaner eben aus.

Auch der Klang beim sauberen Anspielen ohne Amp gefällt direkt. Er ist klar, hat ein langes Sustain, und ist lupenrein intoniert. Da bekommt man direkt Bock auf einen lauten Amp. Aber bleiben wir erst einmal bei der Konstruktion und widmen uns noch einmal dem Hals…

Hals-Korpusübergang der J Standard Odyssey
Nahaufnahme des Hals-Korpusübergangs. Copyright @ LOUDER.com.
J Standard Odyssey Halsrückseite
Verjüngter, abgerundeter Halsfuß der Odyssey. Copyright @ LOUDER.com.

FGN J-Standard Odyssey – Hals, Griffbrett und C.F.S.

Der geschraubte Hals der Odyssey ist makellos verarbeitet und schmiegt sich samtig und gleitend in die Handflächen der Gitarrenspieler. Darüber hinaus ist die Intonation samt Sustain über alle Lagen tiptop. Das kommt nicht zuletzt vom Circle Fretting System (C.F.S.), einem von FGN patentierten Bundierungsmuster. Dabei werden die Bünde nicht gerade, sondern dezent gebogen verarbeitet. Das rührt daher, dass die Saiten einer Gitarre in einem leichten Winkel zueinander stehen und nie ganz parallel über das Griffbrett geführt werden. Daher ist es nur normal, die Bünde dieser minimalen Differenz zwischen den Saiten anzupassen.

Alles in allem spielt sich das Griffbrett sehr gut und das C.F.S. fällt nicht unnötig und vor allem nicht ungewohnt auf. Aber zum Sustain und zur Intonation trägt es offenbar positiv dazu bei, wie die J-Standard Odyssey unter Beweis stellt. Für knapp 800 Euro habe ich jedenfalls lange nicht mehr so ein cooles Griffbrett gespielt. Für diesen Preis bringt Dir die Odyssey nämlich 22 super bespielbare Bünde, welche allesamt makellos über den indischen Palisander verteilt sind.

J-Standard Odyssey Headstock
Gotoh-Mechaniken und satinierte Halsrückseite. Copyright @ LOUDER.com.

Die fabelhafte Bespielbarkeit rührt aber aber nicht nur vom Griffbrett her, sondern auch von dem Hals aus kanadischem Ahorn. Dieser bietet eine satinierte Rückseite und wenn Du die Gitarre in die Hand nimmst, weisst Du sofort Bescheid, was damit gemeint ist. Der Hals fühlt sich samtig-weich an und bremst das Spiel selbst mit klebrig-schwitzigen Gig-Fingern kaum. Sehr schön das Ganze.

In Stimmung gebracht wird das alles übrigens mit gutsitzenden Gotoh SD91-05M Mechaniken.

Der Korpus und die Optik der J-Standard Odyssey

Allgemein ist die Optik der Odyssey ein wenig an die Stratocaster angelegt. Der Korpus aus japanischer Linde ist aber etwas schlanker und wirkt aufgrund der etwas schwächeren Rundungen wie eine dezentere Ibanez aus der RG-Serie. Auch der Headstock ist abgeändert und bietet mit dem Korpus zusammen ein eigenständiges, tatsächlich irgendwie japanisch wirkendes Gitarrenäußeres. Zumindest hinterlässt sie den Eindruck, als ob man auf ihr gehörig um die Wette tappen kann – irgendwie sportlich ambitioniert.

J-Standard Odyssey Korpus
Der J-Standard Odyssey Korpus. Copyright @ LOUDER.com.
J-Standard Odyssey Rückseite
Rückseite des Bodies mit Bellycut. Copyright @ LOUDER.com.

Unser Test- und Verlosungsmodell kommt dabei in Black Gloss daher. Aber weitere Modelle sind in einem 3-Tone Sunburst und auch in einem sogenannten Antique White erhältlich. Auf dem Korpus befindet sich bei allen Modellen ein Tortoise Shell Schlagbrett. Dessen 5 aufeinandergelegte Lagen bieten ein schönes Detail an der ansonsten recht schlicht anmutenden Gitarre.

Schlicht ist jedoch ein Adjektiv, welches auf den Sound der Odyssey keineswegs zutrifft. Daher kommen wir jetzt zum hervorstechendsten Merkmal der J-Standard Odyssey, dem Klang.

Sound – Der TB-4 Humbucker der Odyssey

Was den Sound der Odyssey angeht, so müssen wir hier an dieser Stelle jetzt mal etwas loswerden. Nämlich, dass diese Gitarre in Bezug auf Klangvielfalt echt der Hammer ist. Die Bestückung des Seymour Duncan TB-4 Humbuckers in Kombination mit dem STK-S4 (Hals) und SSL-1 (Mitte) Single Coil liefert ein ausgewogenes und zutiefst vielseitiges Klangspektrum.

Der TB-4, seines Zeichens Jeff Becks Pickup der Wahl, liefert dabei genügend Sahne um singende Leadsounds zu erzeugen. Auch für Metalriffs und härtere Rockgefilde ist dies ein exzellenter Pick-Up, wie sich im Test herausgestellt hat. Denn er bleibt in jeder Lage schön klar und prägnant. Aufgrund der von FGN eingebauten Splitfunktion mit dem kleinen Kippschalter ergeben sich zudem noch ein paar weitere, nahezu zauberhafte, Klangunterschiede. So ist der Humbucker in der einen Schaltposition etwas höhenlastiger und gibt dem ganzen Sound einen richtig schönen klaren Touch. In der anderen Position kommt er etwas ausgewogener und mittiger herüber. Beide Sounds können dabei voll überzeugen. Wenngleich ich aber auch sagen muss, dass der höhenlastigere echt mein absoluter Favorit für Solos geworden ist. Mit dem Diezel D-Moll war das eine reine Wonne. Vor allem mit hochgefahrener Vorstufensättigung. Bei so viel Spaß kann man nur allzu gut verstehen, warum Jeff Beck auf diesen Tonabnehmer zurückgreift.

J-Standard Odysseys Pick-Ups
Die Pick-Up Fraktion der FGN J-Standard Odyssey. Da wir die Gitarre verlosen, haben wir die Pickguard-Folie belassen. Sorryyyy. Copyright @ LOUDER.com.

Die Single Coils der Odyssey – STK-S4 und SSL-1

Die Single Coils der Odyssey stammen ebenfalls von Seymour Duncan und kommen somit wie der Humbucker aus Santa Barbara, Kalifornien. Der STK-S4 in der Halsposition macht da keine Ausnahme. Er ist ein waschechter Alnico-5 Magnet-Tonabnehmer, dem sich fantastische stratocastergleiche Sounds entlocken lassen. Dabei ist er aufgrund seiner Bauweise jedoch äußerst frei von lästigen Neben- und vor allem Brumm-Geräuschen. Damit passt er astrein zu dem TB-4 Humbucker. Während der nämlich die Lead-Sounds und dickeren Riffs übernimmt, twangt sich der STK-S4 frech, klar und nebengeräuschfrei zum Ende der Signalkette. Geil.

Dazu passend kommt der SSL-1 in der Mittenposition. Dieser bringt ebenfalls klassischen Alnico-5 Stratsound in die Odyssey. Schön hell und anschlagsbetont fällt dabei vor allem auf, dass er sich im Gesamtkontext mit Band extremst gut durchsetzt. Bluesig, aber mit mehr Gain auch außerordentlich frech und snappy. Wie kleine Peitschen auf dem Trommelfell. Für mich tatsächlich der favorisierte Sound an der Odyssey. Vor allem schnelle Riffs mit Chords und Single-Notes im Wechsel bekommen dadurch erstmal ihre richtige rhythmische Akzentuierung. Denn der Tonabnehmer reagiert sehr gut auf die Anschläge der Saiten. Daher sehr schön verwendet von FGN.

Alles in allem also ein geniales Gesamtbild, welches die FGN Odyssey soundtechnisch abliefert. Und die Holz- und Bundverarbeitung ist auch allererste Sahne. Aber was ist mit dem Rest der Konstruktion? Potis, Schalter etc?. Wo knarzt es, wo knackt es, wo kriecht der Strom? Das finden wir jetzt heraus…

Potis, Switches und Co. – Irgendwelche Makel?

Die FGN J-Standard Odyssey liefert bisher ein richtig gutes Bild ab. Spielgefühl, Holzverarbeitung, Intonation, Klang, alles ist makellos. Da fragt man sich bei einem solch guten Preis: Wo ist der Haken? Wir können Dir nur sagen: Offenbar gibt es keinen.

Der Sound war über den Diezel D-Moll, einen Marshall JCM900 und den kleinen Yamaha THR10 immer top. (Als Box verwendeten wir bei den großen Amps übrigens eine Marshall 1960B Box in gerader Ausführung. Das hat der Gitarre ziemlich gut gefallen.) Am Gurt hängt sie zudem lässig und ausgeglichen ohne nervös rumzubaumeln. Die Stimmstabilität ist bei Bendings astrein. Zwar konnten wir das Tremolo nicht austesten, weil wir für unser Testmodell keinen passenden Vibratohebel mitgeliefert bekommen haben, aber das ließ sich nun mal auf die Schnelle nicht ändern.

J-Standard Odyssey Tremolo
Das Tremolo der J-Standard Odyssey. Copyright @ LOUDER.com.
Potis und Schalter der J-Standard Odyssey
Die Poti- und Schalterparade der Odyssey. Copyright @ LOUDER.com.

Bei den Potis und Schaltern lässt sich ebenfalls nichts Negatives vermerken. Man hört beim Drehen kein Rauschen sowie auch kein Knistern und die beiden Schalter schalten geräuschlos von einem Pickup zum nächsten. Also was bleibt noch zu sagen?

Nun, das einzige was man bemäkeln könnte, wäre die Buchse für das Instrumentenkabel. Ich bin aber auch einfach kein Fan von diesen ovalen Buchsenblechen mit der Mutter oben drauf. Aber vielleicht wird es hier zu persönlich. Daher kommen wir am besten schnell zum Fazit.

FGN J-Standard Odyssey im Test – Das Fazit

Okay, der Test hat es ja eigentlich schon im Voraus prophezeit: Diese Gitarre ist geil und macht Spaß !

Vom anfänglichen Erstauntsein ist bis zum Ende hin alles geblieben. Bei der FGN J-Standard Odyssey stimmt spielerisch schlichtweg alles. Angefangen bei der Verarbeitung der Materialien, über die Auswahl der verwendeten Mechaniken, bis hin zu den verschiedenen Sounds. Die Odyssey hat eine Menge zu bieten. Vor allem in Anbetracht eines nahezu unschlagbaren Kampfpreises von knapp 800 Euro. Denn fantastische Bespielbarkeit, gute Intonation und innovative Gimmicks wie das C.F.S. sind da bei anderen Firmen nicht gang und gäbe. Wenn Du also auf der Suche nach einer neuen Gitarre bist, solltest Du FGN definitiv mit in Erwägung ziehen. Vor allem, wenn das Budget mau ist oder Du aber auf der Suche nach einer fantastischen Erst-Gitarre bist. Denn als Anfänger ist das ein Wahnsinnsbrett – und dabei noch erschwinglich.

Aber hey, wer sagt denn, dass Du gleich losrennen und kaufen musst? Du kannst die Odyssey ja auch gewinnen !

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Gitarren gewinnen mit der großen LOUDER.com Verlosung
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Übrigens: Für die, die nicht zu den glücklichen Gewinnern des Gewinnspiels gehören, bietet einer unserer Händler, Rockland-Music, derzeit eine Odyssey in Three-Tone-Sunburst an. Als ran an die Buletten !


Details der FGN J-Standard Odyssey

Serie: J Standard
• Modell: Odyssey
• Bünde: 22 (CFS)
• Mensur: 25,5“ (648 mm)
• Saiten: 6
• Korpus: Linde
• Decke: Maple Veneer (Ahorn Furnier)
• Pickguard: Pearloid
• Farbe (lt. Herstellerangabe): Black Gloss
• Hals: Maple (Ahorn)
• Halskonstruktion: Geschraubt (Verjüngter Halsfuß)
• Griffbrett: Rosewood (Palisander)
• Inlays: Dote
• Mechaniken: Gotoh (Chrome)
• Tonabnehmer: 1x Humbucker 2x Singlecoil
• Neck-Position: Seymour Duncan STK-S4 Single Coil
• Middle-Position: Seymour Duncan SSL-1 Single Coil
• Bridge-Position: Seymour Duncan TB-4 Humbucker
• Schalter: 5-Way Blade, 1 Mini Coil Split Schalter
• Regler: 1x Volume, 1x Tone
• Brücke: FJTR-S2P Vibrato
• Bauform: Solid Body
• Variante: Rechtshänder
• Zubehör: FGN Gigbag

Getestet mit: Diezel D-Moll, Marshall JCM900SX, Yamaha THR10