Takamine-Gitarren – Japanische Handwerkskunst aus Tradition

Seit über einem halben Jahrhundert überzeugen die Gitarrenbauer vom Fuße des Mount Takamine mit Qualität und Innovation. Wir stellen Euch das japanische Unternehmen vor!

Takamine Gakki Ltd. – Ursprünge des japanischen Gitarrenbauers

1959 hat alles noch ganz klein angefangen – als Familienbetrieb nämlich. Damals wurde der Vorläufer von Takamine-Guitars in Sakashita am Fuße des Mount Takamine („hoher Gipfel“) gegründet. Mit wachsender Popularität und Nachfrage an Gitarren wuchs das Unternehmen schnell. 1962 stand schließlich der Hausberg Takamine für den Namen Pate und die Firma wurde zur Takamine Gakki Ltd..

Zu diesem Zeitpunkt produzierten die Japaner noch ausschließlich klassische Gitarren und Mandolinen. 1968 ergänzte dann der etablierte Gitarrenbauer Mass Hirade das Takamine-Team. Er optimierte Produktionsabläufe, steigerte das Qualitätsmanagement und tüftelte am Design der Instrumente. Außerdem baute Hirade das Vertriebssystem mit auf, das Takamine den erfolgreichen Vorstoß auf den internationalen Markt ermöglichte. 1975 wurde er schließlich Präsident der Firma. Als Hommage tragen die Meister-Gitarren aus dem klassischen Bereich noch heute den Beinamen „Hirade“.

In den 70er Jahren kamen durch den Einfluss von Rock-, Pop- und Folk-Musik Steel-String-Gitarren immer mehr in Mode. So begann man bei Takamine auch Western-Gitarren zu produzieren. Heute machen Steel-Strings das Hauptgeschäft der Firma aus.

Zunächst kopierte man Design und Konstruktion der großen amerikanischen Gitarrenbauer Martin und Guild. Selbst Kopfplattenform und Schriftzugtyp wurden übernommen. Allerdings waren die japanischen Versionen schon damals deutlich günstiger als die US-Vorbilder – hauptsächlich aufgrund der niedrigeren Lohnkosten. Aber auch eine clevere Tricks, wie zum Beispiel der Verzicht auf eine vollmassive Bauweise, waren für den äußerst günstigen Preis der Japan-Modelle verantwortlich.

Trotz dieser Einsparungen stimmte die Qualität, was sich schnell herumsprach. Man machte sogar „Blindtests“. Dabei stülpte man ein Säckchen über den Headstock von Original und Kopie. Und siehe da: Die Takamine-Versionen waren so gut, dass selbst die Tester kaum einen Unterschied ausmachen konnten.

Martin Guitars und Takamines Weg in die Moderne

Tatsächlich zog die Firma Martin sogar zeitweise eine Zusammenarbeit in Betracht. Der amerikanische Gitarrenbauer suchte damals nach einem Partner für eine asiatische Produktion. Takamine lieferte hervorragende Qualität und wäre in der Lage gewesen, hohe Stückzahlen zu produzieren. Das Problem lag an anderer Stelle: Seit 1969 kümmerte sich „Coast Wholesale“ um den internationalen Takamine-Vertrieb, insbesondere für den US-Markt. Dafür erhielt Coast Wholesale einen kleinen Anteil am Unternehmen Takamine. Coast Wholesale war aber 1968 von Charlie Kaman aufgekauft worden. Kaman war seinerseits Gründer der Kaman Corporation und Erfinder und Produzent von Ovation-Gitarren. Wegen dieser Konkurrenzsituation nahm Martin&Co. schließlich Abstand von einer Zusammenarbeit. Stattdessen fanden sie andere Partner und hoben später Sigma-Guitars aus der Taufe.

Takamine begann aber sehr schnell auch eigenständige Wege zu gehen und entwickelte seit Mitte der 70er beispielsweise neue Korpus-Formen, wie das NEX-Design. Auch beim Bracing experimentierten die Japaner. Außerdem wurden praktische Features, wie eine Bridge, die ohne Bridge-Pins auskommt, entwickelt. Eine jüngere Innovation sind die TT-Modelle. Sie haben wärme-behandelte Decken („Thermal Top“) und sollen „out of the box“ schon so klingen, wie eine über Jahre eingespielte Gitarre.

Das Hauptaugenmerkt behielt man bei Takamine immer auf dem Bereich „akustische Instrumente“. Inzwischen haben sich die Japaner bei den Top-Herstellern von Klassik- und Steelstring-Gitarren weltweit fest etabliert. Höherpreisige Serien werden nach wie vor im japanischen Stammwerk in Sakashita hergestellt, während die günstigeren G-Serien in Korea und China gefertigt werden.

Übrigens gab es in der Firmengeschichte auch immer mal wieder E-Gitarren im Angebot. Diese sind allerdings Ausnahmen.

Takamine-Westerngitarren mit Tonabnehmern – plugged in since 1978

Dass Japaner irgendwie ein Händchen für gute Elektronik haben, ist keine Überraschung. Die Entwickler bei Takamine sind da seit Jahrzehnten keine Ausnahme. So können sie immer wieder mit richtig guten Innovationen trumpfen. Bereits 1978 kamen die ersten bahnbrechenden Untersteg-Piezo-Tonabnehmer mit Preamps auf den Markt. Diese sicherten Takamine eine Vorreiterrolle auf dem Sektor der Tonabnahme ohne Mikrofon von Akustik-Gtarren. Im Jahr 1988 wurde der Preamp (TP-Modell) um einen parametrischen EQ erweitert. Seit 1989 kann man den kompletten Preamp mit Batteriefach einfach aus der Gitarre herausnehmen. Mit dem CTP-1 präsentierte Takamine 2004 den ersten Preamp mit Cooltube-Technologie. Dabei sorgt eine kleine Röhre im Preamp für mehr Wärme und Natürlichkeit im Sound, ohne die Gitarre gleichzeitig aufzuheizen. Bis heute ist das Cooltube-System einer der besten und beliebtesten Tonabnehmer im Bereich der Onboard-Preamps für akustische Gitarren.

Detailaufnahme der Takamine Grand Ole Opry Akustikgitarre zum 80. Geburtstag von Takamine Guitars.
Auch in dem limitierten "Grand Ole Opry" Sondermodell zu Takamine Guitars' 80. Geburtstag findet der CTP-1 Preamp Verwendung. © Takamine Guitars

Takamine-Guitars on stage with…

Gerade die hervorragenden Pickup- und Preamp-Systeme von Takamine-Gitarren machen sie zu einem idealen Arbeitsgerät auf der Bühne. Sie gelten darüber hinaus als robust und verlässlich, was Takamine mit dem Slogan „the hardest working guitars“ unterstrich. Kein Wunder, dass Bruce „The Boss“ Springsteen oder auch die Jungs von Bon Jovi live gern zu Westerngitarren aus dem Hause Takamine greifen. Auch Glen Hansards Takamine zeigt deutlich, was „hard working“ wirklich für eine Gitarre bedeuten kann. Die Decke ist mit den Jahren unter härtesten Bedingungen sogar noch löchriger gerockt worden, als Willie Nelsons legendäre Martin. Trotzdem ist auch Glens Taka noch voll einsatzfähig. Übrigens gibt es bei Takamine auch Signature-Modelle, darunter z.B. von Garth Brooks, Glenn Frey (Eagles) oder Toby Keith.

Detailaufnahme der Takamine Glenn Frey (Egales) Signature Gitarre.
Neben den normalen Modellen bieten Takamine auch Signature Modelle wie diese "EF360GF" von Eagles Gitarrist Glenn Frey an. © Takamine Guitars

Takamine Limited Modelle – der „hohe Gipfel“ der Giarrenbaukunst

Takamine bedeutet „hoher Gipfel“.  Passenderweise markieren die Limited-Modelle den hohen Gipfel japanischer Handwerkskunst. Hier zeigen die japanischen Gitarrenbauer nämlich so richtig ihr Können. Seit dem 25. Jubiläum 1987 bringen die Japaner jedes Jahr ein ganz besonderes Limited-Modell in kleinen Stückzahlen heraus. Mit größter Sorgfalt und viel Handarbeit werden diese edlen Instrumente von den qualifiziertesten Gitarrenbauern bei Takamine hergestellt – natürlich nur mit den besten Materialien. Das Design ist immer außergewöhnlich und besonders aufwändig. Speziell  die Inlays, die mit Hilfe von Laser extrem präzise eingearbeitet werden, sind ein Augenschmaus. Bereits seit 1994 setzt Takamine diese Lasertechnik ein. Oft haben die Limited-Modell ein gestalterisches Thema, das mit der Region zu tun hat, aus der das Unternehmen stammt.

Fazit: Hochwertige Gitarren müssen nicht unbedingt aus den USA kommen!

Konfuzius sagt: „Suche Dir einen Beruf, den Du liebst und Du wirst nie arbeiten müssen“. Wir können nicht mit Bestimmtheit sagen, ob die Takamine-Mitarbeiter das auch tatsächlich so empfinden. Es deutet allerdings sehr viel darauf hin, dass hier Leidenschaft, Know-How, Liebe zum Detail und Stolz auf die Produkte im Spiel sind. Japan ist schließlich bekannt für seine Handwerkskunst und den hohen Anspruch an Qualität. Auf dem Gebiet des Instrumentenbaus beweist Takamine, dass es sich dabei nicht nur um ein Klischee handelt. Die höherpreisigen Gitarren aus japanischer Fertigung sind ausgezeichnet verarbeitet, klingen gut und weisen oft schicke optische Besonderheiten auf. Derart aufwändige Motiv-Inlays findet man in dieser Form bei kaum einem anderen Hersteller.

Auch bei den günstigeren Serien, die in Korea oder China für Takamine hergestellt werden, stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Nicht zuletzt sind Takamine-Gitarren wegen der toll klingenden und praxis-orientierten Tonabnehmer-Systeme eine gute Wahl und zuverlässige Begleiter für die Bühne.

Takamine zeigt, dass exzellente Gitarren nicht unbedingt aus den USA kommen müssen. Qualitativ spielen sie auf jeden Fall ganz oben mit. Preislich muss man bei den amerikanischen Mitbewerbern außerdem für Vergleichbares meist mehr investieren. Wenn Du auf der Suche nach einer neuen Akustikgitarre bist, solltest Du auf jeden Fall auch mal ein paar Modelle aus dem Hause Takamine testen.

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