So kannst du Chorus Phaser Flanger Vibrato und Tremolo Effektpedale unterscheiden

Modulations-Effektpedale unterscheiden: So erkennst du Chorus, Phaser, Flanger, Vibrato, Uni-Vibe, Pitch-Shifter, Wah und Tremolo.

Nahezu jeder Musiker steht zu Beginn seiner Equipmenterfahrungen vor der Frage: Was sind Modulations-Effekte? Mit ein paar verständlichen Erklärungen wollen wir euch unter die Arme greifen und euch dieses Thema näherbringen.

Wie der Name schon sagt, wird der Gitarrenton mit einer „Modulation“ versehen, also mit einer Art von „akustischer Wellenbewegung“ vermischt. Begriffe wie Chorus, Flanger und Phaser stiften dabei zeitweise Verwirrung. Wir erklären euch mit einfachen Worten alles, was ihr zu diesem Thema wissen müsst. Auf geht’s!

Am Anfang war das Tremolo – Aber was ist ein Tremolo?

Als in den 1950er-Jahren der Rock’n’Roll erfunden wurde, gab es neben dem damals verwendeten Bandecho erst einen richtigen Gitarreneffekt. Das im Verstärker eingebaute „Tremolo“. Es handelt sich dabei um eine regelmäßige Veränderung der Lautstärke. So, als würde jemand den Verstärker ständig lauter und leiser drehen. Die Geschwindigkeit dieser „Lauter-Leiser“-Änderungen ließ sich einstellen. Der Effekt wurde im Blues und Rock vielfältig verwendet. Eine gute Demonstration des Tremolo Effekts gibt es im BossChannel auf Youtube.

 

In Popsongs taucht das Tremolo leider nicht so oft auf, obwohl man damit schöne Akkordteppiche legen kann. Einer der bekanntesten Tremolo-Effekte ist das TR-2 von Boss. Nobels bietet mit dem TR-X ein ebenfalls schönes Tremolo an.

Bei vielen Tremolo-Pedalen lässt sich die „Welle“ so extrem einstellen, dass sich ein „Akkord an – Akkord aus – Akkord an – Akkord aus“ Effekt ergibt. Man spricht dann nicht von einem Tremolo, sondern von einem Zerhacker, englisch „Slicer“. Der Boss SL-20 „Slicer“ erledigt das auf viele verschiedene Arten. Einen tollen Effekt liefert auch ein Stereo-Tremolo wie z.B. das Dunlop M159. Großartig, wie Akkorde von links nach rechts hin- und herschweben, und das nur durch Veränderung der Lautstärke.

Gitarristen sind neidisch auf die Orgel: Uni-Vibe und Phaser

Die 1960er-Jahre waren die Blütezeit der elektromechanischen Hammond-Orgel. Insbesondere in Kombination mit dem passenden „Leslie“-Verstärker war der Sound einfach einzigartig flächig. Bei diesem Röhrenamp drehten sich der Lautsprecher und das Hochtonhorn im Kreis und erzeugten so eine 360 Grad Rundum-Abstrahlung des Klangs. Beim Anfahren und Abbremsen, was die Orgelspieler mit Hilfe eines Fußpedals steuerten, lieferte dies extrem komplexe akustische „Verwirbelungen“, die großartig klangen. Da sich anfangs nur reiche Gitarristen wie Carlos Santana und Jeff Beck ein teures Leslie leisten konnten, war die Begeisterung über die erste elektronische Kopie in Pedalform unter Gitarristen groß. Dieses Gerät, das unter dem Namen „Uni-Vibe“bekannt wurde, klang aber gar nicht wie ein echtes, komplexes Leslie. Es war aber dennoch bei Bluesgitarristen sehr beliebt.

Auch die nächsten Versuche, Phaser genannt, modulierten zwar irgendwie herum, kamen aber nie ans akustische Original heran. Phaser (auch Phase Shifter genannt) gibt es von vielen Herstellern. Der Elektro Harmonix „Small Stone“ ist wohl einer der Bekanntesten. In vielen Disco-Produktionen der 1970er und bei den Rhythmusgitarren von Reggae-Legende Bob Marley ist er verewigt.

Inzwischen ist es mit Hilfe der Digitaltechnik gelungen, das komplizierte akustische Verhalten der rotierenden Lautsprecher elektronisch nachzuahmen. Der Boss RT-20 „Rotary“ und der Hughes & Kettner „Tube Rotosphere“ sind täuschend echte Leslie-Imitationen. Inklusive „Gasgeben“ und „Abbremsen“. Ein echter Geheimtipp für alle Gitarristen, die sich von der Masse abheben wollen.

Das Wah-Wah – kein echter Modulationseffekt

Das Wah-Pedal wurde in den 1960ern erfunden und von Jimi Hendrix berühmt gemacht. Technisch gesehen ist es aber ein Equalizer, der einen kleinen Frequenz-Bereich – wie mit einer elektronischen Lupe – ganz stark hervorhebt. Damit es noch mehr Spaß macht, lässt sich dieser schmale Bereich mit einem Fußregler hin- und herfahren. Ständig wird also ein anderer Tonbereich der Gitarre stark hervorgehoben. Eine tolle Erfindung, denn die Gitarre klingt mit einem Wah-Wah, als würde sie ähnlich einer menschlichen Stimme schreien.

Einige Gitarristen wie Carlos Santana lassen das Wah aber auch in einer Position stehen, eben wie einen sehr speziellen Equalizer. Zu den wichtigsten Vertretern der Wah-Pedale zählen sind immer noch die beiden Originale aus den 60ern: Das Dunlop „Cry Baby GCB95“ und das Vox „Wah V847“.

Modulation anno 1975 – die Erfindung des Chorus

Eine sensationelle Neuheit präsentierte die Firma Roland (deren Gitarreneffekte bald schon den Markennamen Boss bekamen) im Jahr 1975. Der Verstärker JC-120 spielte auf dem einen Lautsprecher den Original-Klang, auf dem anderen eine absichtlich „eiernde“ Version, wobei es dann zu einem schwebenden und vollen Sound kam, wenn sich die beiden Töne im Raum überlagerten. Die Musikerwelt war begeistert! Selbst namenhafte Bassisten wie der legendäre Jaco Pastorius spielten über diesen Gitarrenamp, um den neuen, satten Klang zu genießen. Der Roland JC-120 Verstärker wird bis heute unverändert gebaut und ist der einzige Gitarrenamp ohne Röhren, der zum Klassiker wurde.

1976 brachte Boss die Effekteinheit als großes Bodenpedal CE-1 heraus, der sg. „gußeiserne Kuhfladen“.

Ab 1979 gab es den Chorus endlich im normalen Boss-Gehäuse: Der legendäre hellblaue Boss CE-2 „Chorus“, der auf auf zahllosen Hits der 80er-Jahre verewigt wurde. Wenn euch ein Originalexemplar ein zu großes Loch ins Portemonnaie reißt, könnt ihr auch auf das aktuelle Boss CE-5 Pedal zurückgreifen. Natürlich haben auch alle anderen Pedalhersteller einen Chorus im Sortiment. Berühmt wurde z.B. der Elektro Harmonix „Small Clone“, weil Kurt Cobain ihn bei den Nirvana-Hits benutzt hat. Bei allen Choruspedalen findet die Überlagerung des Originaltons und der „eiernden“ Version elektronisch statt.

Sehr selten: Das Vibrato-Pedal

Das Vibrato-Pedal stellt eine weniger erfolgreiche Erfindung der 1970er dar. Die Idee war, das intensive Finger-Vibrato eines Geigers oder Gitarristen elektronisch nachzuahmen. Wobei die Elektronik natürlich nicht nur die Möglichkeit zur Bearbeitung von Einzeltönen, sondern auch von kompletten Akkorden bot. Auf große Begeisterung stieß dieser Effekt allerdings nicht: Es wurde der komplette Einzelton oder Akkord in der Tonhöhe nach oben und unten verändert, sodass das Ganze zu sehr am „eiern“ war. Während Akkorde  wie aus einem schlechten schwarz-weiß Science Fiction Film klangen, wirkte die stets gleiche „Welle“ bei Einzeltönen viel zu unnatürlich.

Leo Fender verwirrt die Welt: Tremolo und Vibrato

Mit Sicherheit besitzt ihr nun schon mehr Durchblick, was man sich unter einem Tremolo vorstellen kann (regelmäßige Lautstärke-Schwankung) und zu welchen Effekten ein Vibrato führt (regelmäßige Tonhöhen-Schwankung).

Leo Fender hat als wichtigster Hersteller diese Begriffe dummerweise leider vertauscht. An den legendären Fender-Verstärkern heißt die Tremolo-Einheit, die die Lautstärke schwanken lässt, „Vibrato“. Und an der berühmten Fender Stratocaster-Gitarre nannte er den Vibratohebel, der die Tonhöhe ändert, „Tremolo-Arm“. Ihr wisst es jetzt besser als Herr Fender, also bitte nicht verwirren lassen!

Modulation extrem: der Flanger-Effekt

Angeblich hat Gitarrist Les Paul den Flanger-Effekt schon in der 1950ern erfunden. Zwei Tonbandmaschinen mit exakt dergleichen Gitarrenspur liefen synchron, aus Spaß wurde eine Maschine mit dem Daumen ständig abgebremst und beschleunigt. Im Mix mit der nicht gebremsten Tonbandmaschine ergab sich dadurch ein sehr spaciger Klang.

Da Flanger und Phaser schon sehr ähnlich klingen können, hilft Dir dieses Video dabei, die beiden Effekte anhand zweier MXR Pedale zu unterscheiden.

Moderne Flanger-Pedale erzeugen diese ständig wechselnden Tempo-Änderungen (die dann zu Tonhöhen-Schwankungen führen) natürlich elektronisch. Außerdem wird ein Teil des Signals wieder an den Eingang zurückgeleitet, was den Effekt extremer macht (nennt sich auf dem Pedal „Resonance“). Der Flanger war bei Gitarristen nie so wirklich beliebt. Vielleicht liegt das daran, dass es schwer greifbar ist, was da eigentlich passiert, wenn man an den Reglern fummelt. Wichtig zu wissen: Dreht man die Regler „Resonance“ und „Manual“ auf null, dann klingt der Flanger quasi wie ein Chorus. Dreht man diese beiden Regler auf, kommt der typische Flanger-Sound.

Dank der Band „The Cure“ hat dieser Klang die Dark-Wave- und Gothic-Musik geprägt. Verzerrt soll er im Rock und Metal sehr beliebt sein, das ist aber wohl eine Werbelüge. Der bekannteste Flanger ist der analoge Boss BF-2 Flanger, sein digitaler Nachfolger Boss BF-3 kann auch stereo arbeiten. Eine tolle Alternative für jeden Chorus-Liebhaber, also unbedingt antesten.

Modulation durch einen Pitch-Shifter

Als in den 1980ern die Gitarreneffekte digital wurden und Multieffekte viele Modulationseffekte in einem Gehäuse anboten, entstanden auch der „Pitch Shifter“ bzw. der „Harmonist“. Die Idee war es, einer Solo-Melodie z.B. immer die passende Terz hinzuzufügen, als würde ein zweiter Gitarrist mitspielen. Das ist ein anderes Thema, wichtig zu merken ist aber folgendes: Der Pitch-Shifter kann nicht nur zusätzliche Töne wie eine Terz oder Oktave erschaffen, sondern auch einen nur leicht verstimmten Ton hinzufügen, ähnlich wie ein Chorus, wobei der Pitch-Shifter auch mit einer zeitlichen Verzögerung arbeitet und meist in Stereo genutzt wird. Sein Klang ist oft edeler und feiner als ein Chorus. Gitarrenhelden wie Eddie van Halen, Steve Vai und Pat Metheny „verbreitern“ so live und im Studio ihren Sound. Unbedingt nennenswert ist hier das Digitech GSP2101, aber auch in vielen aktuellen Multieffekten steckt ein Pitch Shifter. Auch im Einzelpedal Boss PS-6 „Harmonist“ ist so ein leicht verstimmter Modus enthalten. Unbedingt mal ausprobieren.

Fazit zu Modulationseffekten

Wenn du bis hier gelesen hast, sollte es dir in Zukunft ein Leichtes sein, Modulationseffekte zu erkennen und zu unterscheiden. Die Möglichkeiten sind außerordentlich vielfältig und inspirierend. Wie bei allen Effekten gilt aber auch hier, dass weniger meist mehr ist. Im persönlichen Test kannst du die Pedale verschiedener Hersteller vergleichen und das perfekte Pedal für dein Pedalboard finden.

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