Schlagzeug gebraucht kaufen – 5 Tipps

Alles rund um den Kauf günstiger und gebrauchter Drums

Tipps und Tricks für die Sparfüchse unter den Schlagzeugern

Besonders zu Beginn einer Trommlerkarriere, stellt sich für Eltern der neuen Dave Grohls und John Bonhams die Frage, ob es ein neues oder gebrauchtes Drumset sein soll. Als Schlagzeuglehrer werde ich zu diesem Thema oft nach meiner Meinung gefragt. Meine Antwort fällt eigentlich immer gleich aus. Natürlich gibt es tolle Instrumente, die nicht nur neu, sondern auch preiswert sind, keine Frage – doch gegen ein gebrauchtes Schlagzeug in gutem Zustand ist auch nichts einzuwenden. Unsere Übersicht soll euch helfen, einen guten Deal auf dem Gebrauchtmarkt zu erkennen.

Es spielt eigentlich keine Rolle, was man sich kauft. Egal ob es ein neues Auto, ein Drucker oder ein Schlagzeug ist. Der Wertverlust nach dem Verlassen des Ladens ist meist ziemlich hoch. Beim Weiterverkauf spielt es auch keine Rolle, wie gut ihr mit euren Instrumenten umgegangen seid. Schon nach wenigen Wochen könnt ihr auf dem Gebrauchtmarkt oft nur noch zwei Drittel des Neupreises bekommen. Somit macht es für viele Musiker durchaus Sinn, ein gebrauchtes Drumset zu besorgen. Auch Eltern, deren Nachwuchs gerade mit dem Trommeln begonnen hat, können es wohl besser verschmerzen, wenn ein gebrauchtes Schlagzeug im Keller verstaubt, sollte der Nachwuchs das Interesse am Musikmachen verlieren. Hier erfahrt ihr, woran man ein gutes Gebraucht-Set erkennt.

Inhalt:

  1. Komplettes Schlagzeug oder halbe Sache?
  2. No Name oder Markenware?
  3. Welche Größe ist richtig für mich?
  4. Wie findet man versteckte Mängel bei gebrauchten Drumsets?
  5. Ersichtliche Mängel – was gibt es zu beachten?
  6. Unser Tipp für Sparfüchse
  7. Empfehlungen für gebrauchte Drumsets

1. Komplettes Schlagzeug oder halbe Sache?

Stative, Becken und Trommeln – was gehört zu einem vollständigen Schlagzeug?

Ein gebrauchtes Drumset sollte im besten Fall über alle notwendigen Stative, Becken und einen Hocker verfügen, so dass keine weiteren Kosten zum Kauf hinzukommen. Fehlen beispielsweise Becken, sollte man im Vorfeld recherchieren, wie hoch die Kosten eines Beckensatzes sind. Bei einem neuen Satz brauchbarer Becken kann man schon von mindestens 150 Euro ausgehen. So ist es oft besser, auf ein Angebot eines vollständigen Schlagzeug-Sets zu warten. Besondere Vorsicht ist bei sogenannten „Shell-Sets“ geboten. Im Extremfall handelt es sich hier lediglich um Toms und die Bass-Drum. Doch auch beim Kauf eines vermeintlich kompletten Drumsets kann es zu Problemen kommen, wenn beispielsweise ein Spannböckchen fehlt oder die unteren Spannreifen der Trommeln nicht mehr vorhanden sind. Abgesehen von den zusätzlichen Kosten, sind Spannreifen leicht zu bekommen. Ein passendes Böckchen kann, je nach Fabrikat, jedoch schon schwieriger zu beschaffen sein. Preis und Verfügbarkeit der Ersatzteile solltet ihr jedenfalls vor dem Kauf eines unvollständigen Drumsets prüfen.

2. No Name oder Markenware?

 Etablierter Hersteller oder Schlagzeug vom Discounter?

Ihr solltet beim Kauf eines Second-Hand-Schlagzeugs möglichst davon absehen, euch ein No-Name-Drumset zuzulegen. So bleiben böse Überraschungen aus. Ein gewisser Qualitätsstandard ist bei etablierten Herstellern wie Pearl, Yamaha, Sonor und Tama jedenfalls vorhanden und auch bewegliche Teile werden noch nach Jahren ihren Dienst verrichten. Toms und Bass-Drum sollten möglichst vom gleichen Hersteller und in gleicher Farbe gekauft werden, da man somit den Wiederverkaufswert erhöht. Die Snare-Drum kann übrigens problemlos von einem anderen Hersteller stammen.

3. Welche Größe ist richtig für mich?

 Kleine Trommler, kleine Trommeln

Besonders bei Kindern sollte man auf die Abmessungen der Trommeln achten. Eine 24-Zoll-Bassdrum kann erst ab einer gewissen Größe gespielt werden, wenn man bedenkt, dass darauf auch noch Toms montiert sind. Die meisten Schlagzeuger werden mit einer 20- oder 22-Zoll-Bassdrum gut zurechtkommen. Für kleine Trommler sind 18 Zoll oft ausreichend.

Doch neben dem Durchmesser ist auch die Länge der Trommeln entscheidend. Oft findet man auf dem Gebrauchtmarkt noch Drumsets aus den 80er Jahren, die mit überlangen Toms bestückt sind. Wenn sich Länge und Durchmesser gar nicht oder nur um ein Zoll unterscheiden (z.B. 13“x12“ oder 13“x13“), handelt es sich übrigens um überlange Trommeln. Eine gute Positionierung gestaltet sich aufgrund des Gewichts und der Länge schwierig. Ein flacher Aufbau ist nicht möglich und die Erreichbarkeit der verschiedenen Schlagzeugkomponenten gestaltet sich für kleine Menschen so besonders schwer. Meist wird man auf dem Gebrauchtmarkt jedoch auf die Größen 12“x10“ oder 13“x11“ stoßen. Klar, gemessen an heutigen Schlagzeugsets sind diese Längen immer noch über dem Durchschnitt – dennoch ist die Bespielbarkeit deutlich besser als bei ultralangen Trommeln. Die Snare Drum sollte nicht über eine Tiefe größer als 6,5 Zoll verfügen, so dass man sie bei Bedarf niedrig genug einstellen kann.

4. Wie findet man versteckte Mängel bei gebrauchten Drumsets?

Ein Blick unter die Haube lohnt sich besonders bei Trommeln

Besonders für Anfänger ist die Beurteilung eines gebrauchten Schlagzeugs oft schwierig. Wie beim Autokauf kann es bei einem Drumset durchaus auch „versteckte Mängel“ geben. 

Risse und Feuchtigkeitsschäden: Leichte Kratzer an den Außenseiten der Trommeln sind für die Meisten verschmerzbar, doch wie sieht es zum Beispiel mit Feuchtigkeitsschäden aus und woran kann man sie erkennen? Ein Blick in das Innere der Trommeln verschafft hier Klarheit. Gibt es helle Verfärbungen auf den Innenseiten der Kessel? Sind die Befestigungsschrauben der Spannböckchen rostig oder oxidiert? Könnt ihr diese Fragen mit ja beantworten, stand das Schlagzeug zumindest einen Teil seines Lebens in feuchten Räumen. Von einem Kauf sollte hier abgesehen werden.

Die Königsdisziplin bei der Bewertung gebrauchter Drumsets, sind Risse in den Holzkesseln. Klar, wurden die Trommeln normal behandelt, ist das Risiko sehr gering, dennoch solltet ihr euch die Innenseiten genau ansehen.

Bearing Edges:

Die Trommelgratungen – auch „Bearing Edges“ genannt – sind ein weiterer wichtiger Punkt. So haben die Edges einen großen Einfluss auf den Sound, da hier die Felle aufliegen. Ein sauberes Stimmen des Schlagzeugs ist kaum möglich, sind sie uneben und beschädigt. Natürlich kann man die Ränder von einem fachkundigen Handwerker begradigen lassen, hierbei entstehen jedoch wieder Kosten, die man sich sparen kann. Auch nach Jahren sollten die Bearing Edges bei normaler Behandlung noch makellos aussehen. Sie können jedoch leicht beschädigt werden, wenn das Drumset über eine längere Zeit ohne Resonanzfelle gespielt wurde. Fehlen auf Fotos die Felle an den Unterseiten, schaut euch unbedingt die unteren Edges an. Um sicher zu gehen, müsstet ihr eigentlich alle Felle abmontieren. An einer Trommel kann man jedoch schon erkennen, ob das Schlagzeug pfleglich behandelt wurde.

Becken:

Die bereits genannten Mängel kann man noch problemlos mit dem bloßen Auge erkennen. Bei Becken ist das schon etwas komplizierter. Risse und Dellen am Rand sind leicht erkennbar – Risse entlang der Rillen sind mitunter quasi unsichtbar. Hier solltet ihr auf euer Gehör vertrauen. Nehmt ihr ein leichtes Rasseln in der Ausklangphase wahr, prüft zunächst ob es vom Beckenständer kommt. Nehmt dazu das Becken ab und balanciert es vorsichtig auf eurem Finger. Schlagt es nun sanft an. Ist das Rasseln nun immer noch hörbar, ist das ein sicheres Anzeichen für einen Riss. Dieser kann sich leicht weiter fortsetzen und zur völligen Unbrauchbarkeit des Beckens führen.

Auch das Mittelloch des Beckens solltet ihr prüfen. So können sich hier Risse bilden, die im Anfangsstadium noch nicht hörbar sind. Ist das Mittelloch unrund oder gleicht es einem Schlüsselloch, deutet dies darauf hin, dass das Becken ohne schützende Kunststoffhülse direkten Kontakt mit dem Gewinde des Beckenhalters hatte. Ist das Mittelloch des oberen Hi-Hat-Beckens ausgeschlagen, ist das besonders ungünstig. So liegen die Becken nicht mehr exakt aufeinander auf und klingen bei geschlossener Spielweise unsauber.

Fühlt ihr euch trotz unserer Tipps unsicher, scheut euch nicht, euren Schlagzeuglehrer zu fragen, ob er euch bei der Besichtigung eines gebrauchten Schlagzeugs begleitet. Sollte das nicht möglich sein, zeigt ihm zumindest Fotos oder die Anzeige im Internet.

5. Ersichtliche Mängel – was gibt es zu beachten?

Trommelfelle sind ersetzbar

Felle

Zu Beginn solltet ihr euch die Felle ansehen. Abnutzungserscheinungen gehören hier dazu, da die wenigsten Verkäufer von gebrauchten Schlagzeugen in einen neuen Satz Felle investieren werden. Solltet ihr Beulen entdecken, ist ein Austausch unumgänglich. Ein kompletter Satz Schlagfelle inklusive Bassdrum schlägt gut und gerne mit 80 bis 100 Euro zu Buche. Auch die Felle auf den Unterseiten der Trommeln sollten unbedingt überprüft werden. Diese müssten eigentlich unbespielt sein. Das ist jedoch oft nicht der Fall, da viele Trommler abgenutzte Felle einfach ummontieren. Weitere Zusatzkosten solltet ihr jedenfalls einkalkulieren.

Trommeln

An den Metallteilen der Trommeln können sich über die Jahre Spuren von Flugrost bilden. Auch kleine Pickel im Chrom und Kratzer auf den Oberflächen gehören zu den Begleiterscheinungen jahrelanger Benutzung. Auf den Klang der Trommeln werden sich diese Aspekte nicht auswirken. Lediglich die eigene ästhetische Schmerzgrenze spielt hier eine Rolle. Eine einwandfreie Funktion der Teppichabhebevorrichtung sollte bei der Snare Drum unbedingt gegeben sein. Der Teppich sollte möglichst keine verborgenen Spiralen aufweisen und auch die Mechanik sollte glatt und ohne Hakeln laufen. Bei einer speziellen Abhebung ist Vorsicht geboten. Oft erkennt man diese an der aufwändigen mechanischen Konstruktion und der Tatsache, dass der Teppich an beiden Seiten über das Fell hinausragt. Ersatzteppiche können bei diesen Systemen ein Vielfaches eines Standard-Teppichs kosten.

Hardware

Natürlich sollten auch alle anderen beweglichen Teile des Schlagzeugs, wie die Fußmaschine und das Hi-Hat-Pedal sowie die verschiedenen Stative, auf Leichtgängigkeit und mögliche Nebengeräusche geprüft werden. Auch Halterungen und Aufhängungen sollten über flexible Einstellmöglichkeiten und eine ausreichende Stabilität verfügen.

6. Unser Tipp für Sparfüchse

Findet ihr in den Kleinanzeigen ein Drumset der Marke Remo, sollte euch das aufhorchen lassen. Schaut euch die Bilder genau an. Remo ist ein bekannter Hersteller von Schlagzeugfellen. Zwar gibt es auch Drumsets dieser Marke, allerdings kann es auch einen anderen Grund geben, wieso dieser Name in der Beschreibung steht. So soll es schon Verkäufer gegeben haben, die von einer Remo-Trommel ausgingen, weil dies auf dem Fell stand. So fiel ihnen nicht weiter auf, dass ein Badge der Marke Sonor-, Ludwig oder Gretsch auf der Trommel angebracht wurde. In solch einem Fall könnt ihr vielleicht ein großes Schnäppchen machen.

7. Empfehlungen für gebrauchte Drumsets

Schlagzeuge, bei denen ihr nicht viel falsch machen könnt, findet ihr in den kommenden Absätzen.

Basix Custom

Anfang dieses Jahrtausends wurden die Basix Custom Drums geboren. Innerhalb kürzester Zeit machten sie sich in den Musikschulen und Übungskellern der Republik breit. Das hat einen Grund – ein ordentlicher Klang zu einem guten Preis. Die Hardware konnte jedoch qualitativ nicht mithalten. Eine ausgiebige Funktionsprüfung ist hier Pflicht.

Pearl Export/Session/Vision

Das Pearl Export ist wohl das meist verbreitete Schlagzeug auf dem Gebrauchtmarkt. Mittlerweile gibt es knapp zehn Generationen, die man allesamt weiterempfehlen kann. Häufig findet man noch Drumsets aus den 80ern, was auf deren unverwüstliche Qualität schließen lässt. Teurer, aber ebenfalls empfehlenswert sind die Vision- und Session-Serien, die mit Ahorn- oder Birkenkesseln erhältlich sind. Diese sind jedoch auch teurer als die Exports.

Sonor Force 2000/3000

Ganze 25 Jahre haben die Sonor-Force-2000-Sets schon auf dem Buckel. Nach wie vor sind sie recht preisgünstig zu finden. Die robuste Bauweise hat einen Grund. Diese Drumsets waren die letzten, preisgünstigen Sonor-Drums, die in Deutschland hergestellt wurden. Wer Glück hat, findet ein preiswertes Force-3000-Set. Mit Kesseln aus Birkenholz spielt es in einer noch höheren Liga.

Tama Rockstar

Die erfolgreichen und über einen langen Zeitraum produzierten Tama Rockstar hatten in den 1990er Jahren ihre Geburtsstunde. Sie spielen in der gleichen Preisklasse wie die Pearl Export. Frühe Ausführungen haben noch ultralange Kessel (z.B. 12×11 oder 13×12 Zoll), spätere Ausführungen gibt es auch mit anderen Kesselgrößen, bis hin zu flachen Toms (12×8 oder 13×9 Zoll).

Yamaha Stage Custom

Zwar werden erst seit ein paar Jahren Kessel aus Birkenholz verwendet, die Stage Custom Serie von Yamaha gibt es jedoch schon sehr lange. Umgangssprachlich wird es, in Anspielung auf Yamahas Klassiker aus Birke, das „Recording Custom des kleinen Mannes“ genannt. Das Schlagzeug wird jedenfalls auch höheren Ansprüchen gerecht und hinterlässt einen professionellen Eindruck.