Looper kaufen für Gitarren – Wie Boss den Boom auslöste

Looper kaufen, vergleichen und optimal einsetzen

Mein Name ist Sven Harnisch, einigen wohl eher bekannt als „Dr. Boss“, der Anfang der 2000er als quirlige Werbefigur in den Medien die Botschaft der Boss-Effekte verbreitete. Als Produktmanager stand ich in engem Kontakt zum Entwicklerteam von Boss in Japan und so kam es, dass ich dem japanischen Chefentwickler der Boss-Pedale im Jahr 2000 einen entscheidenden Tipp geben konnte. Er sollte einen leistungsfähigen Boden-Looper bauen, der weit mehr konnte als die teuren und seltenen Rack-Looper, die es damals am Markt gab. Mit viel längerer Aufnahmezeit und brandneuen Features versehen, lösten die Boss-Looper einen weltweiten Looper-Boom aus! Es enstand eine neue Art des Musikmachens mit vielen neuen Künstlern und mit Looper-Geräten in allen Formen und Farben. Aber der Reihe nach …

Wie der Looper entstand: Die Idee im Restaurant

Die japanische Firma Roland (mit ihrer Effektmarke Boss) ist einer der größten Hersteller für elektronische Musikinstrumente. Der Firmengründer Ikotaro Kakehashi, der 2017 im Alter von 87 Jahren starb, hat auf der ganzen Welt Fabriken und Verkaufsniederlassungen errichtet. Von 1998 bis 2011 war ich in der deutschen Roland-Zweigstelle als Produktmanager für Boss mit dabei. Definitiv ein Traumjob!

Im Jahr 2000 lernte ich auf der Musikmesse Frankfurt den Chefentwickler der Boss-Pedale kennen. Ich erzählte Yasuki „Jimmy“ Yamada abends im Steakhaus von meinem größten Wunsch: In den 1990ern gab es schon Looper, aber das waren teure Rackgeräte, die nur 4 oder 8 Sekunden im Kreis wiederholen konnten. Ein Boss-Pedal als Bodenlooper, das wäre ein Kracher! Ein halbes Jahr später bekam ich von meinem neuen Freund eine Video-Botschaft, er würde an „unserem Baby“ tüfteln. Tatsächlich war es auf der Messe 2001 dann soweit. Boss präsentierte den RC-20, den weltweit ersten Boden-Looper, mit unfassbaren 16 Minuten Loopzeit und sogar 11 Speicherplätzen! Er schlug weltweit ein wie eine Bombe, denn endlich gab es ein handliches, bezahlbares Gerät zu kaufen, mit dem Solokünstler Loop auf Loop aufnehmen und so ganze Songs und Klangwelten allein erschaffen konnten. Und das, ohne weitere Musiker auf der Bühne zu brauchen.

Die Looper-Lawine kommt ins Rollen

Einer der ersten und besten Loopkünstler wurde Rico Loop aus Berlin, den wir als Demoplayer verpflichteten. In den nächsten Jahren entstand eine riesige Szene kreativer Loop-Künstler, während die anderen Hersteller von Bodenpedalen den frischen Trend verschliefen. Alle wollten Looper kaufen, der Erfolg war so riesig, dass wir in Hamburg einen Boss Looper Contest veranstalteten. Ich erwartete hauptsächlich teilnehmende Gitarristen und Bassisten, aber weit gefehlt: Es kamen Bewerbungssongs von Sängern, Beatboxern, Rappern, Pianisten, Cellisten, Trompetern, Geigern, Keyboardern, auch Tuba, Saxophon und Perkussion, es gab Pop, Rock, Jazz, Klassik, Metal, alle waren wie verrückt am Loopen. Es enstanden dabei frische und neue Styles und Sounds. Viele dieser Teilnehmer hatten Rico Loop auf Youtube oder unserem Messestand gesehen und waren sehr aufgeregt, weil ihr Idol in der Jury saß. Hier loopte schon die zweite Generation für die erste, obwohl der Boom noch so jung war. Im Jahr darauf wurde der Boss Looper Contest weltweit ausgetragen, und die nationalen Sieger wurden nach Los Angeles eingeflogen. Im „House of Blues“ in Disneyland gab es ein unglaubliches Finale, unter anderem mit Gitarrengott Steve Stevens in der Jury. Es war ein absolut unvergesslicher Abend!

Welcher Looper ist für mich der Richtige?

Heutzutage gibt es sehr viele verschiedene Looper-Pedale, die sich leicht in drei Arten einteilen lassen. So findest du leicht den passenden Looper für dich, ohne alle Modelle vergleichen zu müssen. Da gibt es zunächst die einfachen Looper mit simpler Bedienung ohne Schnick-Schnack, nur zum Üben. Die Gruppe der Standard-Looper hat dagegen viele Extras wie Speicherplätze und USB-Anschluss, ideal für Live-Auftritte und Songwriting. Wer mehrere Loops gleichzeitig erklingen lassen will oder seinem Drummer mit einem Klick-Signal das Tempo auf den Kopfhörer schicken möchte, braucht eine der großen Loop-Stations. Weiter unten sind alle drei Arten ausführlich beschrieben.

Grundsätzliche Bedienung jedes Loopers

Hier erkläre ich dir kurz, wie ein Looper eigentlich funktioniert: Du drückst das Fußpedal und die Aufnahme startet. Du spielst z.B. eine Akkordfolge ein. Drückst du das Fußpedal erneut, wird die Aufnahme beendet und sofort von vorn wieder abgespielt, immer im Kreis. Zu diesem ersten „Loop“ kannst du jetzt ein Solo spielen! Später kannst du deinem Loop eine weitere Aufnahme hinzufügen, z.B. einen Basslauf. Bei den meisten Loopern startest du durch nochmaliges Drücken des Fußpedals das sogenannte „Overdubbing“, das Hinzufügen einer weiteren Spur über schon vorhandene Spuren. Jeder Zeitpunkt im Loop ist möglich. Dem Grund-Loop werden jetzt weitere Aufnahmen („Overdubs“) hinzugefügt, so viele du willst, immer im Kreis.

Ab ca. sechs Overdubs wird es aber meistens zu chaotisch, selbst wenn du mit vorgeschalteten Effektgeräten jedes Overdub mit einem anderen Sound einspielst.

Wichtige Info zur Funktionsweise der Looper

Wichtige Info: Im Gegensatz zu einem Spuren-Recorder im Studio stehen deine Overdubs nicht einzeln zur Verfügung. Ein normaler Looper hat immer nur den Gesamtsong im Arbeitsspeicher. Falls du dich mal verspielst, hast du aber bei fast allen Looper die Möglichkeit, das letzte fehlerhafte Overdub zu löschen („Undo“-Funktion). Dazu wird meist das Fußpedal gedrückt gehalten. Stoppen kannst du den kompletten Loop mit einem schnellen Doppeltritt auf das Pedal (das muss man üben) oder bei größeren Loopern mit dem zweiten Pedal.

Einfache Boden-Looper zum Gitarre üben

In den ersten Jahren gab es von Boss nur Looper mit vielen Extras, wie den Boss RC-20, den Nachfolger Boss RC-20XL und das Einzelpedal Boss RC-2. Die frühen Konkurrenzmodelle von Digitech waren ebenso komplex. Für sie hatte Digitech den Namen „JamMan“ der frühen Rack-Looper aus den 90ern eingekauft. Technisch waren sie Kopien der Boss-Geräte, aber mit praktischer SD-Speicherkarte. Erst 2012 brachte der dänische Hersteller TC Electronics den absolut simplen Looper „Ditto“ heraus: Ein Fußschalter, ein Drehregler, eine LED, fertig. Keine Speicherplätze, keine Sonderfunktionen. Einfach Loops aufnehmen und die Lautstärke einstellen. Diesen Looper wollten viele Gitarristen kaufen, weil er so simpel war. Er wurde ein großer Erfolg, und die Mitbewerber mussten reagieren. Boss präsentierte den RC-1 Looper im typischen Boss-Gehäuse, das leere Reglerfeld wurde mit einem bunten Display gefüllt. Digitech brachte den „JamMan Express XT“ heraus, und der chinesische Hersteller Mooer ergänzte sein riesiges Sortiment an Mini-Pedalen um den „Micro Looper„. Solche simplen Looper finden sich inzwischen auch in fast jedem Multi-Effektgerät, in vielen digitalen Übungsamps und den aktuellen Echo-Pedalen wie Boss DD-7 „Digital Delay“ und dem etwas fetter klingenden TC „Flashback“.

Diese Looper kannst du so einfach bedienen wie oben beschrieben. Aber es gibt aus Erfahrung ein Problem: Wenn du zu einer Akkordfolge solo spielst, fällt dir garantiert früher oder später ein tolles Lick oder eine geniale Hitmelodie ein. Schnell als Overdub aufgenommen … und dann? Diese simplen Looper können nichts speichern!

Standard-Looper mit vielen Extras

Standard-Looper sind z.B. der Boss RC-30 (Doppelpedal) und der RC-3 (Einzelpedal) sowie im Vergleich die Modelle von Digitech, der JamMan Stereo und der JamMan Solo XT. Sie haben jeweils 99 Speicherplätze und einen USB-Anschluss, das sind die großen Unterschiede zu den simplen Loopern. Du speicherst beim Jammen einfach alle guten Ideen, Licks und Melodien und kopierst sie per USB auf deinen Computer. So hast du schnell eine Songwriter-Schatzkiste: Wenn ich einen Song schreibe und mir fehlt z.B. eine Melodie für die Strophe, gehe ich meine Looper-Ideensammlung durch. Andersherum kannst du auch im Homestudio produzierte oder gekaufte Playbacks per USB in den Looper laden und ihn als Bühnen-Abspielgerät nutzen, denn alle aktuellen Standard-Looper, die man kaufen kann, sind stereo. Die 99 Speicherplätze teilen sich aktuell meist 3 Stunden Speicherzeit, die der Looper intern bereitstellt. Was für ein Fortschritt gegenüber den 4 oder 8 Sekunden in den 90er-Jahren! Es zählt übrigens nur die Länge des Grund-Loops, die 3 Stunden Speicher wirst du wohl kaum voll bekommen.

Die Standard-Looper bieten noch eine Fülle weiterer Funktionen: Beispielsweise können die Boss- und Digitech-Looper nach der Aufnahme deines Loops das Tempo selbstständig errechnen und synchron einen Drumbeat drunterlegen. Du kannst auch gleich zu einem der angebotenen Schlagzeugpatterns einspielen. Funktionen wie „Auto Record“ bei Eingang des ersten Tons oder verschiedene Arten des Stoppens eines Loops, z.B. Fade Out, werden angeboten. Meist braucht man diese Funktionen aber nicht.

Oft sieht man diese Art Looper bei Singer-Songwritern, die zur Gitarre singen und dabei manchmal die Gitarrenakkorde aufnehmen, um hinterher über den Loop auch mal solo zu spielen. Da einige Looper auch einen Mikrofonanschluss haben, kannst du auch deinen Gesang loopen und z.B. nach und nach mehrstimmige Chöre einsingen. Ein berühmtes Beispiel ist Ed Sheeran bei seinen Live-Konzerten, der nur mit Gitarre und Looper komplette Konzerte im ausverkauften Wembley-Stadion spielt!

Die großen Loop-Stations wie der BOSS RC-300

Wer nicht allein sondern mit einem Schlagzeuger auftreten will, bekommt mit einem Standard-Looper ein Problem. Meist ist die eingespielte Rhythmusgitarre auf der Bühne zu leise oder geht unter, sodass der Drummer sie nicht sauber hört und nicht in time dazu spielen kann. Da hilft nur eine große Loop-Station wie die Boss RC-50 oder der aktuelle Nachfolger Boss RC-300.

Sie vereint drei separate Looper und viele Sonderfunktionen in einem Gehäuse. Diese Geräte können z.B. ein digitales Temposignal an den MIDI-Eingang eines Profi-Metronoms senden. Der Drummer hört den Klick des synchronisierten Metronoms dann auf seinem Kopfhörer. Du kannst auch einen der drei Looper für einen Audio-Klick „opfern“, dessen Ausgang nur zum Kopfhörerverstärker des Drummers geleitet wird. Er kann so seinen Wunsch-Sound als Klick bekommen.

Soll ich einen großen Profi-Looper kaufen?

Die drei Looper im Gehäuse des Profi-Loopers werden meist so genutzt: Alle drei laufen parallel und synchron, und du nimmst z.B. im Looper 1 eine Rhythmusgitarre, im Looper 2 einen Basslauf und im Looper 3 schwebende Akkorde auf. Während deines Songs kannst du diese Figuren ein- und ausschalten, und auch auf jeden Looper weitere Overdubs einspielen. Nur so lassen sich extreme Kontraste im Song schaffen, mal nur der Basslauf, mal ganz viele Instrumente auf einmal. Das geht mit einem normalen Looper nicht, denn alles was aufgenommen wurde, lässt sich nicht mehr einzeln stummschalten oder löschen. Das ist der Grund, warum die besten Loopkünstler bei Youtube eine große Loop-Station benutzen. Wie zum Beispiel der geniale Beatboxer/Sänger/Rapper „Dub FX“ mit seinem Profi-Looper Boss RC-50.

Klassische Popsongs mit einer großen Loop-Station spielen

Songs, die mit einem Looper gespielt werden, sind anders als normale Poptitel. Denn meist besteht der Song „nur“ aus dem 8- oder 16-taktigen Grund-Loop, statt aus getrennten Songteilen wie Strophen und Refrains. Die drei Looper im Gehäuse einer Loop-Station lassen sich aber auch nacheinander statt gleichzeitig nutzen. So spielst du auf Looper 1 zunächst die Strophe ein, nimmst dann auf Looper 2 den Refrain auf und spielst danach auf Looper 3 einen Zwischenteil. Jetzt kannst du einen klassischen Songablauf spielen, indem du je nach Wunsch einen der Looper anwählst. Dabei kannst du auch auf vorbereitetes Audiomaterial (wie Drums oder Keyboards) zugreifen, die du vorher in den Speicherplätzen der Looper ablegst. Bei der Endausscheidung des Boss Looper Contest in Los Angeles hat die Japanerin Naoryu ganz allein und sehr clever einen klassischen Popsong mit Strophen, Refrains und Zwischenteilen geloopt. Ein untypischer aber genialer Song an diesem Abend, sie erreichte Platz 2.

FAZIT Looper kaufen

Nachdem Dr. Boss den Looper-Boom vor 16 Jahren ausgelöst hat, ist das Loopen für viele Musiker heutzutage normal geworden. Dabei lässt sich die unübersichtliche Auswahl an Looper-Geräten sehr leicht in drei klare Gruppen einteilen: Kleine und simple Looper helfen beim Üben und Jammen. Die Standard-Looper mit Speicherplätzen, USB-Anschluss und vielen Sonderfunktionen sind ideal für den Solo-Auftritt, beim Sammeln von Songideen und dem Abspielen von Playbacks auf der Bühne. Wenn du in einer Band loopen willst, brauchst du einen großen Profi-Looper, der deinem Drummer einen Klick liefern kann. Aber auch als Solokünstler kommt man für die wirklich spannenden und abwechslungsreichen Loop-Songs kaum an einer großen Loop-Station vorbei.

Der Boss-Chefentwickler Jimmy Yamada und ich schreiben uns heute noch gerne bei Facebook, wie wir das Musikmachen auf der ganzen Welt durch die Boden-Looper ein wenig verändert haben.

 

Links zu diesem Artikel:

Boss: https://de.wikipedia.org/wiki/BOSS

Ikotaro Kakehashi: https://de.wikipedia.org/wiki/Ikutar%C5%8D_Kakehashi

Rico Loop live: https://www.youtube.com/watch?v=Je-sxW8Ny7Q

Digitech: https://en.wikipedia.org/wiki/DigiTech

TC Electronics: https://en.wikipedia.org/wiki/TC_Electronic

Ed Sheeran: https://de.wikipedia.org/wiki/Ed_Sheeran

Dub FX live: https://www.youtube.com/watch?v=OEPEleJVjOo

Naoryu live: https://www.youtube.com/watch?v=gHS-W6xZFNk