Das HoTone XTomp Mini Effektpedal im Test

Heute bei uns im Test: Das HoTone XTomp Mini. Mit den XTomp Effektpedalen will HoTone das Effekt-Modeling auf die nächste Stufe heben. Angeblich können sich die Pedale in alle möglichen ikonischen Effekt-Klassiker für Gitarre und Bass verwandeln. Klingt auf jeden Fall spannend. Wie gut dieser Plan von HoTone aufgeht, schauen wir uns in diesem Testbericht des HoTone XTomp Mini Pedals mal etwas genauer an!

Technische Daten des HoTone XTomp Mini

Bevor wir mit unserem Test so richtig loslegen können, sollten wir uns erst noch kurz die Technik des XTomp Mini anschauen. Es handelt sich hier zwar theoretisch um ein Gitarrenpedal, aber so richtig konventionell ist die Kiste irgendwie nicht.

Dank der eigens entwickelten HoTone CDCM-Technologie kann sich das XTomp nämlich in eine Vielzahl von Effekten verwandeln. Ganz egal ob Overdrive, Fuzz, Compressor, Reverb, Delay oder Modulation: Das XTomp hat in allen Bereichen etwas zu bieten. Auswählen kannst Du den jeweiligen Effekt mit Hilfe einer übersichtlichen Gratis-App, die für iOS, Android, Windows und Mac verfügbar ist. Via Bluetooth kannst Du den ausgewählten Effekt dann einfach an das XTomp senden, und nach kurzer Wartezeit hat das Pedal das Preset geladen. Falls es mal ein Firmware-Update geben sollte, kannst Du dieses per USB-Verbindung direkt auf das XTomp aufspielen.

Kontrolliert werden können die Effekt-Models mithilfe von sechs beleuchteten Knöpfen auf der Oberseite des XTomp Mini Pedals. Aber natürlich brauchen Klassiker wie der Tubescreamer oder der MXR 90 Phaser nicht alle sechs Regler. Aus diesem Grund ist jeder der sechs Regler mit einer eigenen Aktivitäts-LED unterlegt. Beleuchtete Knöpfe haben im aktuellen Preset eine Funktion, nicht beleuchtete halt eben nicht.

Unterschiede zwischen dem HoTone XTomp und dem XTomp Mini

In meinem Test beschäftige ich mich mit dem HoTone XTomp Mini. Dieses ähnelt seinem großen Bruder, dem „normalen“ XTomp zwar in den Grundzügen, in den Details lassen sich jedoch einige Unterschiede feststellen.

Der auffälligste Unterschied, der sich schon im Namen manifestiert, liegt in der Größe der beiden Pedale. Das XTomp Mini ist mit gerade mal 11,3 mal 6,3cm deutlich kleiner, als das reguläre XTomp Effektpedal. Zum Vergleich: Die klassischen Boss-Pedale sind ca. 12,9 mal 7,3cm groß.

Allerdings führt die kleine Größe leider auch dazu, dass das XTomp Mini ein paar Features weniger zu bieten hat. Wie Du vielleicht in dem Foto schon gesehen hast, sind auf dem XTomp Mini andere Knöpfe verbaut, als auf dem regulären XTomp. Und auch der schicke Footswitch mit LED-Ring wurde (leider) gegen einen ganz normalen Footswitch ausgetauscht. Außerdem kann der XTomp Mini nur Mono Signale verarbeiten und ausgeben, sein großer Bruder bietet hingegen Stereo In- und Outputs.

Auch in der Signalverarbeitungs-Kapazität ist der XTomp Mini im Vergleich leicht eingeschränkt. Die meisten Features gehen zwar auch mit dem XTomp Mini, ein paar Presets funktionieren aber leider nicht. Es gibt nämlich seit Neuestem in der App auch „Combo“ Effekte zur Auswahl, sprich zwei Effekte in einem Pedal. Diese funktionieren leider nicht auf dem XTomp Mini. Und auch die „Signature“ und „Special“ Effekte sind dem Full-Size XTomp vorbehalten.

Die Modelling-Technologie an sich ist jedoch in beiden Pedalen identisch. Das sogenannte „Comprehensive Dynamic Circuit Modeling“ (CDCM) sorgt in beiden Effektpedalen für einen hervorragend natürlichen Sound mit viel Dynamik. Zumindest theoretisch. Wie es aber in der Praxis aussieht, finden wir jetzt endlich heraus!

Jetzt aber: Kommen wir zum Test des HoTone XTomp Mini

So, dann schauen wir uns das Pedal jetzt mal an. Das XTomp Mini kommt schick verpackt in einem schwarzen, passgenauen Karton. Schon beim Herausnehmen macht das Pedal einen super soliden und wertigen Eindruck. Mit seinen 200g liegt das XTomp Mini angenehm in der Hand, ohne wie ein Spielzeug zu wirken. Auch das massive Aluminium-Gehäuse unterstreicht dieses Wertigkeits-Gefühl noch weiter.

Vergleich zwischen einem HoTone XTomp Mini und einem iPhone 8.
Selbst im Vergleich zum iPhone liegt das HoTone XTomp Mini richtig gut in der Hand! © LOUDER.com // Julius Haring

Leicht gemindert wird der erste Eindruck durch die verbauten durchsichtigen Plastikknöpfe, die leider eher an Spielzeuge als an High-End Gitarrenequipment erinnern. Allerdings ist davon nur das Aussehen betroffen.  Durch die gummierte Oberfläche sind die Potis echt griffig und lassen sich super drehen. Und auch der Soft Touch Footswitch fühlt sich sehr angenehm an.

Da ein Batteriebetrieb bei den XTomp-Pedalen leider nicht möglich ist, wäre ein 9 Volt-Netzteil im Lieferumfang ganz cool. Natürlich hab‘ ich als Pedalhead aber immer ein Netzteil zu Hause rumliegen, also halb so wild.

Die Sounds vom HoTone XTomp Mini

Auf ihrer Website werben HoTone ausführlich mit ihrer CDCM Technologie. Diese soll für einen extrem dynamischen Sound sorgen, der dem Klang der analogen Vorbilder zum Verwechseln ähnlich sein soll. Klar, klingt erstmal gut und eigentlich haben wir das schon von vielen Herstellern gehört. In der Praxis klingen Modeling-Technologien dann aber doch oft eher „Geht-so-gut“. Anders ist das beim XTomp Mini.

Obwohl ich mit einer eher skeptischen Haltung in den Test gegangen bin, haben die Sounds mich doch ziemlich schnell überzeugt. Tatsächlich ist es mir zwischenzeitlich wirklich schwergefallen, zu glauben, dass ich da nicht wirklich einen Big Muff, Memory Man, Small Clone oder ähnliches vor mir liegen habe. Die Effekte klingen durch die Bank sehr überzeugend und, zumindest für meine Ohren, ziemlich genau wie die Originale. Und auch die Effekte, die HoTone selber designt haben, klingen richtig genial und machen zugleich deutlich, dass hier echte Profis am Werk waren.

HoTone XTomp Mini Effektpedal im angeschalteten Modus
Je nach Preset leuchten die LEDs des XTomp Mini in verschiedenen Farben. Sehr cool! © LOUDER.com

Besonders gelungen finde ich die Pedale der Kategorie „Ambient“. Hier finden sich verschiedenste Reverbs, Delays und Modulation-Effekte, die sich hervorragend eignen, um in tiefere Sphären einzutauchen. Vor allem das „Spaceko“ und das „Ocean Deep“ Reverb haben es mir angetan. Aber auch der ausgefallene Bit Crusher kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn ich persönlich noch keinen praktischen Anwendungszweck für diesen gefunden habe.

Gerade bei Delay Effekten ist es außerdem super praktisch, dass HoTone auch eine Tap Tempo Funktion verbaut haben. Durch ein kurzes Gedrückt halten des Footswitches wird der Tap-Modus aktiviert. In diesem sind vor allem die verbauten LEDs hilfreich, da diese durch ein gleichmäßiges Blinken die aktuelle Geschwindigkeit anzeigen. Wenn das richtige Tempo einmal gefunden wurde, kann man durch ein erneutes, etwas längeres Drücken den Tap-Modus wieder verlassen. Die Methode funktioniert super und gefällt mir persönlich sogar besser, als ein zweiter, dedizierter Footswitch.

Die XTomp App von HoTone

Alle Sounds, die das XTomp Mini so draufhat, finden wir in der XTomp App. Diese habe ich ja oben bei den Spezifikationen schon kurz beschrieben. Noch offen ist aber die Frage nach der Funktionalität. Getestet habe ich diese auf einem Windows 10 Laptop und auf einem iPhone 7.

Auf dem Handy läuft die Installation der App problemlos. Auf dem PC hatte ich hingegen ein paar Probleme. Bei jedem Start der PC-Version (2.0) kriege ich nämlich immer ­eine Meldung, dass eine neuere Version des Programms erhältlich ist (Version 1.2.). Diese Meldung kann man aber einfach wegklicken bzw. verstecken, danach läuft dann auch die PC Version problemlos.

Screenshot der HoTone XTomp App.
Nur ein kleiner Teil der Effekte, die in der XTomp App zur Auswahl stehen!

Die Programmierung ist sehr einfach gehalten, erfüllt aber ihren Zweck. Im Vergleich zur Bias FX Software sehen die Grafiken zwar etwas veraltet aus, aber das stört mich persönlich nicht. Die App ist ­schließlich nur ein Mittel, um Sounds auf das Pedal zu laden. Und das funktioniert, sowohl über Handy, als auch über PC, hervorragend.

Das Laden eines Patches geht mit Hilfe der XTomp App ziemlich einfach. Dafür müssen zunächst einmal Pedal und Handy/Computer via Bluetooth miteinander gekoppelt werden. Innerhalb der App muss man anschließend nur noch das gewünschte Pedal anklicken, „Send to Device“ auswählen, und ab geht die Post. Außerdem kannst Du noch entscheiden, ob Du das Pedal im Buffered oder im True Bypass Modus betreiben willst, was ich sehr cool finde. Bei Delay-Effekten gibt es zudem immer die Möglichkeit, „Trails“ zu aktivieren, sodass das Echo auch nach dem Abschalten des Pedals noch ausklingt.

Außerdem bietet die App zu jedem Pedal noch einige Hintergrundinformationen, sowie eine übersichtliche Grafik, die die Funktion der einzelnen Regler veranschaulicht. Das Layout ist zwar immer recht ähnlich, aber eine genaue Erklärung der einzelnen Positionen kann nie schaden.

Screenshot aus der HoTone XTomp App.
Die HoTone XTomp App liefert zu jedem Pedal hilfreiche Hintergrund-Informationen.

Die verschiedenen XTomp Sounds

Die Auswahl an Effekten innerhalb der App ist übrigens echt riesig. Und inzwischen sind es nicht mal mehr „nur“ Effekte, sondern auch Amp- und Cabinet-Simulationen. Laut der HoTone Website zählt die App inzwischen weit über 100 verschiedene Effekte. Aber damit ist die Grenze noch lange nicht erreicht! Das HoTone Team entwickelt nämlich immer neue Sounds und Patches, die sie den Usern in monatlichen Updates komplett kostenfrei zur Verfügung stellen. Anders als bei anderen Firmen bezahlst Du hier also nur einmal, und kannst das Pedal danach uneingeschränkt verwenden.

Etwas schade finde ich die extrem lange Ladedauer der einzelnen Effekte. Beim ersten Laden musst Du circa 30 bis 40 Sekunden warten, bis die App den entsprechenden Patch an das Pedal gesendet hat. Das liegt zu einem großen Teil auch daran, dass Bluetooth nach wie vor eine relativ langsame Übertragungsmethode ist. Deutlich schneller ist hingegen die Übertragung vom PC via USB. Beide Verbindungs-Arten laufen jedoch stabil, sodass man auch bei längeren Wartezeiten keine Verbindungsabbrüche fürchten muss.

Außerdem dauert auch nur das erste Laden eines Patches so lange. Sobald das Pedal einen Patch sozusagen „gelernt hat“, kann man diesen super schnell abrufen. Alle Effekte, die das Pedal schon „kennt“, finden sich in der Kategorie „My XTomp“. Für den Fall, dass man mehrere XTomps bestitzt, kann man hier auch zwischen den verschiedenen Pedalen hin- und herschalten, was ich ziemlich clever gelöst finde. Falls man also beispielsweise ein XTomp vor dem Amp und eins im FX-Loop hängen hat, kann man mit Hilfe der App beide Pedale problemlos parallel steuern.

Was fehlt mir beim XStomp Mini?

Bis hierher klingt es ja eigentlich so, als wäre das XTomp Mini eine richtige eierlegende Wollmilchsau. Und tatsächlich ist das auch größtenteils so – ich hätte lediglich ein paar Änderungswünsche.

Theoretisch gefällt mir das Design der XTomp Pedale richtig gut. Als Digital Native ist es ja irgendwie klar, dass ich auf alles stehe, was auch nur im Entferntesten an Laserschwerter und Raumschiffe erinnert. Und da treffen die schicken Aluminium-Pedale mit LED Beleuchtung nun mal voll ins Schwarze. Allerdings gefällt mir das Design des normalen XTomp, zumindest auf Fotos, wesentlich besser, als das seines kleinen Bruders. Der große LED-Ring um den Footswitch ist meiner Meinung nach einfach schicker, als ein ganz normaler Schalter. Und auch die umrandeten Knöpfe aus Aluminium finde ich schöner, als die durchsichtigen Regler des XTomp Mini.

Vergleich zwischen dem HoTone XTomp und dem HoTone XTomp Mini.
Das HoTone XTomp gefällt mir optisch besser, als das XTomp Mini. © HoTone Audio

Ansonsten trifft das XTomp Mini aber voll und ganz meinen Geschmack. Klar wäre eine MIDI-Fähigkeit ziemlich cool, um zum Beispiel verschiedene Presets abrufen zu können oder z.B. Delay-Patches zu synchronisieren. Jedoch denke ich, dass solche Spielereien den Preis des Pedals nur unnötig in die Höhe treiben würden. Schließlich bietet das XTomp Mini einem für 149€ extrem viele unterschiedliche, aber gleichermaßen geile Sounds. Dass man da irgendwo Abstriche machen muss, ist ja eigentlich klar. Und deshalb finde ich es gerade gut, dass HoTone mehr Wert auf gute Sounds legen, anstatt zu versuchen, durch 10000 verschiedene Features zu punkten.

Fazit zum HoTone XTomp Mini

Mir persönlich hat das XTomp Mini im Test super gefallen. Hervorragende Sounds, intuitive Bedienung und eine hochwertige Haptik machen den Alleskönner aus dem Hause HoTone für mich zu einer echten Empfehlung!

Gerade für Pedalboard-Newbies ist das XTomp Mini meiner Meinung nach ein hervorragender Wegbegleiter. Die riesige, komplett kostenfreie App bietet eine super Grundlage für erste Erfahrungen mit der Welt der Effektpedale. Und auch die Tatsache, dass jeder Regler nochmal einzeln erklärt wird, kann gerade Einsteigern eine Menge Kopfzerbrechen ersparen.

Größenvergleich zwischen dem HoTone XTomp Mini und einem klassischen Boss-Gitarreneffekt.
Reicht eigentlich: Das XTomp Mini und ein Stimmgerät! © LOUDER.com // Julius Haring

Aber nicht nur für Anfänger ist das XTomp Mini geeignet. Auch im Studio kann so ein Tausendsassa enorm hilfreich sein und einem viel Schlepperei ersparen. Denn wer hat schon Bock, zehn Drive-Pedale mitzuschleppen, um verschiedene Rhythmus-Spuren einzuspielen? Mir persönlich wär‘ da ein einzelnes Pedal echt lieber. Und da das XTomp Mini gleichzeitig auch noch echt super klingt, denke ich, dass einer Studio-Nutzung eigentlich nichts im Wege stehen sollte.

Nur im Liveeinsatz kann ich mir das XTomp Mini leider nicht so gut vorstellen. Patch-Wechsel zwischen den Songs sind eher unpraktisch, und das damit verbundene Tippen auf dem Smartphone kommt bei den Zuhörern sicher nicht so richtig geil an. Als Standalone-Pedal mit nur einem Patch eignet sich das XTomp Mini aber auch live super.

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