High Gain Verstärker des Tages: Marshall JVM410H

Der Tod der E-Gitarre?

In letzter Zeit liest man immer mal wieder, dass die E-Gitarre am Aussterben ist. Distortion-Pedale, High-Gain Verstärker, Full Stacks und darunter natürlich auch der Rock’n’Roll und dergleichen. Dies mag in Anbetracht der Einfachheit, mit der man einen Song heutzutage digital samplen und verändern kann, vielleicht tatsächlich den Anschein haben. Schließlich sind elektronische Musik, neue Stilrichtungen und auch eine Vermischung unterschiedlichster Genres nun mal Veränderungen unserer Zeit. Aber die E-Gitarre und alles was mit Rock’n’Roll zu tun hat, als „vom Aussterben bedroht“ zu bezeichnen, ist schlichtweg völliger Quatsch. Glaubst Du nicht? Na dann müssen wir wohl etwas lauter werden. Und zwar mit dem Marshall JVM410H.

Der Marshall JVM410H.
Der Marshall JVM410H. Copyright @ Musik Meyer.

Rock’n’Roll muss laut!

Meinst Du nicht auch, dass es den Anschein macht, dass die E-Gitarre einfach etwas leiser geworden ist? Zumindest in den gängigen Genres, wie sie derzeit im Mainstream-Sound zu finden sind, verirrt sie sich immer mehr in den Hintergrund. Außerdem ist die Art und Weise sie zu spielen, im Vergleich zu bspw. einem Klavier, so vielseitig, dass man mitunter kaum mehr erkennt, dass es sich um eine E-Gitarre handelt. Manche sliden nur noch auf ihr, andere nutzen sie rein perkussiv. Andere haben drei Meter lange Effektboards und andere spielen nur auf einer Saite. Hat es alles schon gegeben – Und das ist alles nicht schlimm, sondern oft ziemlich geil!

Aber was ist mit dem Rock’n’Roll? Wo bleibt der? Die althergebrachten Verbreitungswege wie Fernsehen oder Radio servieren meist nur noch langweiligen Popmüll und Seiten wie Facebook ranken kleine feine Bands nur noch mit ordentlich Werbe-Budget auf die obersten Plätze. Also ist es für junge Rock’n’Roller schwer bis nahezu unmöglich, sich Gehör zu verschaffen. Und das wiederum, hat mit ausgestorben sein rein gar nichts zu tun.

Doch was tun wir dagegen? Wollen wir uns den Zeichen der Zeit beugen? Alles hinnehmen? Louder sagt nein!

Mit Watt, High Gain und Tinnitus gegen das verpoppte Musikkapital

Während Akustikgitarren leicht verstärkt immer öfter wieder im tränenreichen Schmier-Tal des Singer/Songwriter-Genres re-inkarniert werden, braucht die E-Gitarre samt Rock’n‘Roll vielleicht einfach mal wieder ein bißchen Starthilfe. Und womit?

Mit Watt und Gain natürlich, ganz klar. Es wird Zeit, die Attitüde, die unsere Vorgänger im letzten Jahrhundert mit den Fullstacks erschaffen haben, mal wieder mit ein wenig Lautstärke von der Bühne zu blasen. Und damit sich das auch jedermann leisten kann, haben wir ab heute eine neue Serie in petto.

Marshall JVM 410H kaufen
Hier ein Marshall JVM 410H Fullstack. Das Horn für den Rock'n'Roll-Schlachtruf. Copyright @ Musik-Meyer.

In dieser stellen wir euch jetzt alle paar Wochen ein Modell eines genial verzerrenden, tierisch lauten und vor allem nicht allzu teuren High Gain Amps vor. Damit ihr den Lagerfeuerklampfern und Beachparty-Discjockeys mal zeigen könnt, wie man mit einer Stromgitarre das Feuer von den Holzscheiten bläst. Den Anfang macht Marshall mit dem JVM410H…

Der JVM410H – Marshalls heftigster High Gain Verstärker

Marshall JVM 410H Amp High Gain Verstärker
Die Front des Marshall JVM 410H. Ein Killeramp mit ordentlich Druck auf dem Kessel. Aber auch mit killervielen Knöpfen. Copyright @ Musik Meyer.

Über Marshall an sich brauchen wir heute keine Worte zu verlieren. Wenn ihr euch für die Firma interessiert, schaut gerne später in diesen Artikel zur Marshall-Geschichte. Hier geht es jetzt direkt zur Sache.

Der Marshall JVM410H kann getrost als Marshalls tonales Flaggschiff des neuen Jahrtausends bezeichnet werden. Als Teil der JVM-Serie, welche kurz nach dem vierzigjährigen Jubiläum Marshalls veröffentlich wurde, vereint er marshalltypischen Clean- und Rocksound mit fettestem Gain – sowie einer unglaublichen Menge an Potis auf der Front des Amps.

Marshalls JVM410H. Potiwahnsinn oder absolute Verzerrungskontrolle?

Machen wir uns nichts vor. Die Potis sind mächtig. Das ist schon eindeutig eine Menge an drehbaren Knöpfen, die sich auf dem Frontpanel des JVM410H breitgemacht hat.

Aber lassen wir uns davon nicht verwirren, denn wir sind ja keine beduselten Lagerfeuerklampfer, die ihre Spielfehler mit rasselndem Holzscheiten übertönen wollen. Wir wollen gehört werden und zwar so gut und laut es eben geht. Dafür braucht man eben ein paar Potis. Vor allem, wenn man Soundvielfalt möchte. Und die bietet der JVM410H noch und nöcher. Selbstverständlich alles in Röhre, ohne den kleinsten Halbleiter im Signalweg.

Nahaufnahme des JVM410H High Gain Verstärkers
Ja, bei den ganzen Potis kann einem schon mal etwas schwindelig werden. Copyright @ Musik Meyer.

4 Kanäle und 12 Modes – Alle in marshalltypisch laut

Die Ampsektion auf der Front ist unterteilt in vier unterschiedliche Kanäle, wobei jeder Kanal nochmals in drei unterschiedliche Modes unterteilt ist. Diese kannst Du mit dem kleinen schwarzen Knopf neben dem jeweiligen Kanal umschalten, wobei es jeweils grün, orange und rot gibt.

Marshall JVM 410H Modeswitch
Mit diesen Knöpfchen schaltest Du durch die Modes. Von zart nach hart. Copyright @ Musik Meyer.

Durch Knopfdrücken wird die Reihe durchgeschaltet und Rot ist, ganz Charles Bronson-Like, selbstverständlich der Mode, der für den jeweiligen Channel am meisten Gain bietet. Wenn man dann in Channel Vier sitzt und auf Rot geschaltet hat, wundert man sich echt nicht mehr, wieso einem auf einmal der Pony schief steht. Denn so snappy frech und rockig wie ein Marshall meist klingt, mit dem dicken, perkussiven Klang der Saiten, so klingt auch dieser Amp – nur eben mit viel viel mehr Gain. Da sind Reserven vorhanden, die stellen selbst den betrunkensten Death Metaller zufrieden.

JVM410H – Ein vielseitiger High Gain Verstärker?

Der Sound kommt gewohnt britisch herüber, transportiert durch die typischen EL34 Röhren, wobei jedoch zu sagen ist, dass die unterschiedlichen Modes und Channels eine Vielseitigkeit aufweisen, die ihresgleichen sucht. Doppelte Töne sucht man da vergebens. Und gerade diese Vielfalt in den hochverzerrten Modi macht den JVM410H für vielseitige laute Rocker interessant, die ihre Riffs und Licks nicht immer mit dem gleichen Sound runterbügeln wollen, sondern sich Abwechslung wünschen.

Eine Dampfmaschine mit Höhen und Tiefen

Der Druck und die Verzerrung beim JVM410H ist das Mächtigste, was es von Marshall jemals gegeben hat. Aber nicht nur diese Faktoren sind gut beim Marshall JVM410H. Auch die unterschiedlichen Clean-Modes sowie Crunch und Distortion-Modi sind fantastisch. Das alles wurde bewerkstelligt, indem man sich Gedanken über die Verschaltung gemacht hat. Während beim grünen Mode die Klangregelung vor der Hauptgainstufe einsetzt, so setzt sie beim orangenen Mode nach dieser ein. Damit bekommst Du verschiedene Schaltungen und verschiedenste klassische Marshallverstärker zusammen in einem Topteil. Daher kann man mit dem JVM410H nebenbei noch getrost auf einige eingestaubte Verzerrer-Bodentreter verzichten.

Übrigens: Falls Dich interessiert, was im roten Mode passiert: Hier setzen sämtliche vorhandenen Gain-Stufen simultan ein !

Weitere Vielseitigkeit erfährst Du durch zwei verschiedene Master-Potis, einen eingebauten Digitalreverb sowie die Presence- und Resonance Regelung der Endstufe. Damit kannst Du das tiefere Bottom-End und die Höhen/Mitten nochmals hervorheben, um mit den 100 Watt des Amps die Härchen im Gehörgang Deiner Zuhörer in Brand zu setzen.

Damit Du nun nicht die ganze Zeit an den Potis drehen musst, kannst Du das Spektakel natürlich via Fussschalter und Midi steuern. Den Footswitch gibt es im Paket mit dazu, so dass Du auf der Bühne beide Hände frei zum Rocken hast. Gleichzeitig besitzt der Amp einen seriellen sowie auch einen parallelen FX-Loop. Feine Sache.

JVM410H. Master-Sektion eines High Gain Verstärkers.
Die Master- und Reverb-Sektion lässt keine Wünsche offen. Copyright @ Musik Meyer.

Die Box des Marshall JVM410H – Das 1960BV Cabinet

Natürlich bietet Marshall auch direkt die passenden Cabinets für alle, die direkt loslegen wollen. Für unsere High-Gain Variante ist da besonders die 1960AV* oder aber die 1960BV* interessant. Das 1960BV Cabinet kommt dabei in gerader Ausführung mit 280 Watt, verteilt von vier V30-Speakern mit je 70 Watt.

Aber Achtung: Das sind nicht die Celestion Vintage 30, sondern die eigenen von Marshall. Die haben noch mal eine andere Tönung, passen aber ziemlich gut zu dem Gesamtkonzept des Amps, denn sie schmiegen sich wunderbar an die unterschiedlichen Gain-Stufen des Amps an. Zudem behalten sie konsequent den perkussiven Charakter des ureigenen Marshallklangs.

Marshall JVM410H Fullstack
Hier nochmal in groß: Das Marshall JVM410H Fullstack. Copyright @ Musik Meyer.

Zu guter Letzt:

Der Marshall JVM410H ist genau der richtige Amp, wenn man vielseitigen Marshallsound mit einer ungehörig deftigen Portion Bumms haben möchte. Mit diesem Amp verschaffst Du Dir Gehör – und das in jeder Bühnensituation. Zudem kann man ihn bereits für einen unschlagbaren Neupreis von 1459 Euro* bekommen. Im Bundle mit einer passenden Box  kannst Du ihn sogar für 2259 Euro* kaufen. Du solltest ihn also unbedingt austesten, wenn Du Dir in nächster Zeit einen High Gain Amp kaufen willst! Aber: Zeit einplanen. Der Amp steckt nämlich voller Sounds und Klänge und macht eindeutig süchtig.

Weiterführende Links:

Test: Peavey 6505

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