Gitarreneffekte verkabeln – In 3 Schritten zur optimalen Reihenfolge

So verkabelst Du Gitarreneffekte und Verstärker auf perfekte Art und Weise

Du bist Gitarrist und mittlerweile stolzer Besitzer vieler bunter Effektpedale? Dann hast du vielleicht sogar einen Röhrenverstärker? Sicher stellst Du Dir hin und wieder die Frage zum korrekten Verkabeln Deiner Gitarreneffekte.

Wie macht man das eigentlich? Gibt es eine optimale Reihenfolge für die Effektpedale? Brauche ich den Einschleifweg (Effektweg) meines Verstärkers? Was macht dieser Einschleifweg überhaupt? Kann bei falscher Verkabelung etwas kaputtgehen? Wie minimiere ich das Rauschen und wieso entsteht das eigentlich?

Wir bringen Licht ins Dunkel und verhelfen Dir in nur drei Schritten zum optimalen Effekt-Verkabelungs-Setup! Yeehaw!

Effektgeräte verkabeln
Egal ob kleines oder großes Pedalboard, die richtige Verkabelung entscheidet - Foto by Mathias Zerres

Schritt 1: Effektpedale sortieren

Als erstes müssen wir deine Sammlung von Effektpedalen in zwei Gruppen einteilen:

Gruppe 1: Pedale mit Einfluss auf die Lautstärke

Die erste Gruppe besteht aus Effekten, welche die Dynamik Deines Gitarrentons beeinflussen. Einfacher gesagt: Sie sind in der Lage die Lautstärke zu verändern. Dazu gehören alle Verzerrerpedale (mehr Gain = mehr Lautstärke) sowie Kompressorpedale, die den cleanen Sound sehr „fett“ machen, damit er sich in der Band durchsetzt. Auch alle Wah-Wah-Pedale ändern die Lautstärke, da sie einen kleinen Frequenzbereich des Gitarrentons stark überhöhen, also lauter machen. Einige Gitarristen wie der legendäre Carlos Santana lassen das Wah-Pedal ja auch in einer Stellung stehen, weil ihnen die Frequenzanhebung an dieser bestimmten Stelle klanglich so gut gefällt. Die Equalizer-Pedale, z.B. der bekannte Boss GE-7 Graphic Equalizer* funktionieren auf ähnliche Art und Weise: Sie gehören ebenfalls zur ersten Gruppe an Effekten, weil sie bestimmte Frequenzen lauter oder leiser machen.

Gruppe 2: Effekte ohne Einfluss auf die Lautstärke

Zur zweiten Effekt-Gruppe zählen alle Pedale, die an der Dynamik und Lautstärke nichts oder nur sehr wenig verändern. Das sind alle Raumeffekte wie beispielsweise Echo (Delay) und Hall (Reverb). Außerdem die Modulationseffekte wie Chorus, Flanger, Tremolo und Vibrato. Einziger Sonderfall ist der Phaser. Denn bei diesem kommt es darauf an, ob du eine milde Einstellung nutzt, um den Sound schwebender zu machen wie bei einem Chorus. Dann kommt er in die zweite Gruppe. Solltest du ihn extrem einstellen, also mit kräftigen Modulationen, wird er der ersten Gruppe zugeschrieben.

Du wirst dich jetzt vielleicht fragen, was denn nun diese Aufteilung in zwei Gruppen bringen soll? Die Erklärung folgt jetzt.

Schritt 2: Reihenfolge für Effektpedale und Amp

Falls dein Verstärker immer nur clean eingestellt ist und du die Zerrsounds ausschließlich mit Verzerrerpedalen erzeugst, kannst du alle Pedale vor dem Amp nutzen. Dann kannst Du direkt bei Schritt 3 weiterlesen.

Willst du aber die tolle Verzerrung deines Röhrenverstärkers nutzen, tut sich ein Problem auf.

Du kannst deine Raum- und Modulationspedale nicht mehr vor dem Amp verkabeln. Denn einen Gitarrenton mit Hall, Echo oder Chorus NACHTRÄGLICH mit dem Amp zu verzerren klingt absolut schrecklich. Wohin dann aber mit diesen Effektpedalen? Das ist bei alten Röhrenamps der 1960er und 1970er tatsächlich ein echtes Problem. Seit Anfang der 1980er haben fast alle Verstärker einen sogenannten „Einschleifweg“. Und diesen erklären wir jetzt mal schnell, auch wenn’s dadurch kurz technisch wird.

Was macht ein Effektweg bzw. Einschleifweg am Gitarrenverstärker?

Jeder Gitarrenverstärker besteht aus zwei Baugruppen, der Vorstufe und der Endstufe. In der „Vorstufe“ wird der Ton deiner Gitarre aufbereitet, verzerrt und die Bässe & Mitten & Höhen können eingestellt werden. Kurzum: Der Klang wird geformt und bekommt hier auch einen Großteil seines Charakters. Das Signal geht aus der Vorstufe in die Endstufe. Diese nachfolgende „Endstufe“ erzeugt anschließend recht klangneutral die große Leistung, um die Lautsprecher-Membranen zu bewegen. Aus der Endstufe kommt also die Leistung.

Können zwischen Vorstufe und Endstufe Effektpedale angeschlossen werden, nennt man das den „Einschleifweg“. Du erkennst ihn auf der Rückseite des Amps an den Buchsen „Send“ bzw. „Preamp Out“ (Ausgang der Vorstufe) und „Return“ bzw. „Main In“ (Eingang zurück in die Endstufe).

An dieser Stelle, an der dein Amp den Klang schon geformt hat, sind alle Raum- und Modulationseffekte perfekt aufgehoben. Aber Achtung! Im Einschleifweg darfst du niemals dynamikverändernde Effekte wie Zerrer, Wah oder Kompressor anschließen! Die Endstufe pumpt dein Gitarrensignal mächtig auf, damit die Lautsprecher angesteuert werden können. Jede kleine Lautstärke-Änderung direkt vor der Endstufe kann heftige Ergebnisse zur Folge haben. Also nicht vergessen: Dynamikverändernde Effekte gehören immer vor den Verstärker. Nie in den Einschleifweg.

Effekte-verkabeln-Reihenfolge
Das Signal verläuft hier von rechts nach links - Modulation, Overdrive, Distortion.

Schritt 3: Effekt-Pedale verkabeln wie die Profis

Die optimale Reihenfolge sieht folgendermaßen aus: Von Deiner Gitarre (oder dem Empfänger deines Gitarrensenders) geht es zuerst in den Bodentuner, denn der braucht ein ganz sauberes Signal ohne Effekte.

Falls Du einen Octaver, Pitch-Shifter oder Harmonist benutzt, um beim Solospiel Zusatztöne zu erzeugen, solltest du diese Pedale ganz vorn direkt nach dem Tuner verkabeln. Zum sicheren Erzeugen des Extra-Tons brauchen diese Pedale ein ganz sauberes Signal.

Dann folgen alle dynamikverändernden Effektpedale. Falls du über einen Kompressor verfügst, schließt du diesen zuerst an. Nachfolgend kannst Du deine Verzerrerpedale nach Belieben anordnen. Ein Equalizer gehört hinter die Verzerrer, denn die Zerrer sollten den Gitarrenton schon verändert haben, wenn du mit dem Equalizer das Klangbild nachbearbeitest. Das Wah-Pedal schließen die meisten Gitarristen VOR den Verzerrern an, da sich der Sound auf diese Weise am besten regulieren lässt. Das ist aber kein in Stein gemeißeltes Gesetz. Bei einigen Zerrpedalen klingt ein nachgeschaltetes Wah auch sehr interessant. Also einfach mal ausprobieren. Das gilt übrigens auch für einen extrem eingestellten Phaser.

Schließlich verkabelst du den letzten Effekt mit dem Eingang deines Verstärkers. Er hat wahrscheinlich zwei oder drei Kanäle: Clean, Crunch (angezerrt) und Lead (vollverzerrt). Spannend ist es immer, einen angezerrten oder vollverzerrten Verstärker-Kanal mit einem vorgeschalteten Zerrer noch weiter in die Sättigung zu treiben. Da sind fette Soundkombinationen möglich.

Und jetzt weiter. Wieder raus aus dem Verstärker (Effect Send an deinem Amp) und rein in das erste Modulationspedal. Chorus, Flanger, Vibrato, Tremolo kannst du beliebig anordnen. Danach folgt das Echopedal, und anschließend erst der Halleffekt. Warum? Einen Hall nachträglich mit einem Chorus oder Echo zu versehen, klingt nicht so toll, daher ist der Hall das letzte Pedal.

Vom Ausgang des Halls geht es zurück in den „Effect Return“ deines Verstärkers. Wenn du ein Volumepedal verwendest, z.B. das bekannte Ernie Ball EB6181*, solltest du es erst nach den Modulationspedalen anschließen. Dann kannst du den Gitarrenton komplett leise regeln, und die Echo- und Hallfahnen klingen trotzdem zu Ende aus.

Das Noise-Gate – So wirst du das Rauschen im Effektboard los

Wenn du die beschriebene Reihenfolge der Effekte einhältst, hast du das Rauschen und die Nebengeräusche minimiert. Allerdings gibt es Röhrenamps, die auf ihrem Zerrkanal grundsätzlich ein starkes Rauschen erzeugen. In diesem Falle hilft dir ein Noise-Gate im Einschleifweg weiter. Da das Rauschen nur in den Spielpausen auffällt, schaltet ein Noise-Gate das Gitarrensignal stumm, sobald kein Ton mehr gespielt wird. Der Boss NS-2 Noise Suppressor* ist das bekannteste Pedal. Das Noise-Gate sollte das erste Pedal im Einschleifweg sein. Auf diese Weise kann es das Rauschen von vorgeschalteten Zerrern und dem Verstärker bekämpfen, bevor der Gitarrenton mit Modulations- und Raumeffekten angereichert wird.

Noch ein paar Effekt-Verkabelungs-Tipps zum Schluss:

Falls du an deinem Verstärker keinen Einschleifweg findest, ist es entweder ein sehr kleiner Übungsamp, der noch nicht über eine derartige Ausstattung verfügt. Oder aber es handelt sich um einen digitalen Amp, der viele Ampsounds und fast alle Effekte anbietet. Diese Amps sind als „All-in-one“-Lösung konzipiert und nicht für weitere Effektpedale gedacht. Solche Amps gibt es z.B. von den führenden Modeling-Experten Line 6 und Roland. Am besten besorgst du dir das passende Fußpedal zu diesen Amps, um alle Möglichkeiten nutzen zu können.

Wenn du deine Gitarreneffekte auf einem Effektboard oder in einem Effektkoffer wie oben genannt montierst, gehen zwischen dem Effekt-Board und deinem Amp mehrere lange Kabel hin und her. Ein langes Kabel führt vom letzten dynamikverändernden Effekt in den Input deines Amps. Zwei lange Kabel verbinden den Einschleifweg mit den restlichen Effekten. Es macht Sinn, diese langen Kabel mit Kabelbindern oder Klebeband zu einem „Multicore“ bzw. einer Kabelpeitsche zusammenzubinden. Zum einen ermöglicht das einen schnelleren Aufbau, und zum anderen wird der Kabelsalat auf der Bühne gering gehalten. Stichwort „Betrunkender Sänger und Bauchlandung“. Und immer auch das lange Kabel vom Fußschalter des Amps nicht vergessen. Dann hast du einen einzigen dicken Kabelstrang, der deinen Amp mit deinem professionell verkabelten Effektboard verbindet.

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