Gibson Guitars – Geschichte der legendären Gitarrenfirma

Die Geschichte hinter der Marke Gibson Guitars

Heute gibt es eine große Vielfalt an Gitarrenherstellern. Wobei man hier nur die wenigsten als Vorreiter oder Trendsetter bezeichnen kann. Doch wenn jemand diese Bezeichnung verdient hat, dann wohl Gibson. Denn kaum ein Hersteller hat so eine bewegte Geschichte, wie Gibso

Zeitreise durch die Gibson Geschichte

Im Laufe ihrer bewegten Geschichte hat Gibson immer wieder Innovationen hervor gebracht und Ideen weiterentwickelt, die die E-Gitarre in ihrer heutigen Form überhaupt erst möglich gemacht haben. Doch wie fing das eigentlich alles an? Und wann genau ist was passiert? Um diese Fragen zu klären, laden wir euch ein in unserer kleinen Zeitmaschine Platz zu nehmen. Unsere Reise beginnt vor knapp 120 Jahren in einem amerikanischen Örtchen namens Kalamazoo in Michigan.

Die ehemalige Gibson Fabrik in Kalamazoo, MI. Quelle: Kalamazoo Public Library
Die ehemalige Gibson Fabrik in Kalamazoo, MI. Quelle: Kalamazoo Public Library

Orville Gibson und die Mandolinen

Hier lebt und arbeitet ein gewisser Orville Gibson. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet Gibson in einem Restaurant, seine Leidenschaft ist allerdings der Instrumentenbau. Zuhause in seiner kleinen Hobbywerkstatt tüftelt er so lange, bis es ihm 1894 gelingt, die Bauweise von Gitarren und Mandolinen entscheidend zu verändern. Er leiht sich von den Geigenbauern die Idee, die Deckenform seiner Instrumente zu wölben und zu schnitzen und erfindet somit quasi die Archtop-Gitarre. Diese Idee lässt er sich dann 1898 patentieren. Parallel dazu entwickelt er mit der „F“ bzw. „A“-Form zwei dementsprechend gebaute Mandolinen, die heute noch in nahezu identischer Form existieren und mittlerweile als die Standards im Mandolinenbau gelten.

Die von ihm hergestellten Instrumente sind  im Gegensatz zur Konkurrenz nicht nur um einiges robuster, sondern auch wesentlich lauter und durchsetzungsfähiger. Dementsprechend groß ist die Nachfrage. Irgendwann stößt Orvilles kleiner Betrieb an seine Grenzen, weswegen er sich 1902 mit neuen Geschäftspartnern einig wird. Diese gründen in Kalamazoo die Gibson Mandolin-Guitar Mfg. Co., Ltd, kaufen Orville sein Patent ab und stellen ihn als Berater ein. Nach nur einem halben Jahr kündigt Orville Gibson bereits wieder (erhält aber für den Rest seines Lebens Zahlungen aus dem Hause Gibson) und verschwindet aus der Öffentlichkeit. Nach langer Krankheit verstirbt er dann am 21. August 1918. Die von ihm gegründete Firma darf sich aber über einen steilen Aufstieg freuen.

Gibson profitiert vom Mandolinen-Boom

Anfang des 20. Jahrhunderts sind Mandolinen-Orchester das ganz große Ding. Und da ist Gibson ganz weit vorne mit dabei. Die Instrumente werden immer weiter optimiert und an die Vorstellungen der Musiker angepasst. Ganz wie sich das für einen Marktführer gehört. 1921 erfindet der Angestellte Ted McHugh die in der Höhe justierbare Brücke und den verstellbaren Truss-Rod, also den verstellbaren Halsstab. Dieser verhindert, dass der Zug der Saiten den Hals mit der Zeit nach vorne verbiegt und das Instrument durch die zu hohe Saitenlage quasi unbrauchbar wird.

Halsstab und Bridge sind gleich zwei bahnbrechende Innovationen, die wir heute noch an jeder E-Gitarre und an jedem E-Bass finden. Ein Lichtblick in einer wirtschaftlich schweren Zeit.

Dunkle Zeiten:  Gibson in Schwierigkeiten

Nach dem Ende des ersten Weltkriegs wurde die Mandoline von anderen Saiteninstrumenten wie dem Tenor-Banjo verdrängt. Für ein Unternehmen wie Gibson, das sich in Herstellung und Vertrieb beinahe ausschliesslich auf diese nun unpopuläre Instrumentengattung spezialisiert hat, wird dies zur Bedrohung. Zunächst versucht Gibson 1922 mit der F5 die „ultimative Mandoline“ auf dem Markt zu etablieren. Als Nebenprodukt entsteht die Gibson L5-Gitarre, die ebenfalls über die charakteristischen F-Löcher verfügt. Heute zählen beide Instrumente zu den großen Klassikern ihrer Gattung, doch damals waren beide ein Flop. Der erhoffte Rettungsschlag bleibt leider aus und Gibson entlässt einen Teil seiner Belegschaft.

Gibson-Kalamazoo-Factory-Interieur
Im Inneren der Gibson-Fabrik in Kalamazoo, MI. Quelle: Kalamazoo Public Library

Jazz kommt Gibson zur Rettung

Unter neuer Führung gelingt es dann, das Schiff in den 30er-Jahren wieder in etwas ruhigere und erfolgreichere Gewässer zu steuern. Es ist die Ära der Jazz-Bands, die Musik wird immer lauter – da wollen die Gitarristen natürlich mithalten. Anfangs versucht es Gibson noch mit „konventionellen“ Mitteln und bringt Modelle wie die Advanced-L5 oder die Gibson Super 400 heraus. Die Idee dahinter: Größerer Korpus ist gleich mehr Lautstärke. Diese Gleichung geht durchaus auf. Auf die Spitze treibt Gibson dieses Spielchen dann mit der beinahe überdimensionalen Super 400, die viele auch heute noch als die Mutter aller Archtop-Gitarren verehren.

Doch 1935 erkennt Gibson die Zeichen der Zeit und bringt seine ersten beiden Instrumente mit Tonabnehmern und die dazugehörigen Verstärker auf den Markt. An die EH-150, eine Hawaii-Style- bzw. Lap-Steel-Gitarre erinnern sich wahrscheinlich nur die wenigsten, doch mit der ES-150 (ES steht für „Electric Spanish“) liefert Gibson die Blaupause für die halbakustische Gitarre, wie wir sie heute kennen. Die identischen Ziffern in der Modellbezeichnung verraten übrigens die damalige Preispolitik: Die Gitarren standen jeweils im Set mit Amp und Kabel für 150 Dollar in den Läden.

Die Gibson SJ-200 Akustik Gitarre

Wenige Jahre später entsteht dann die nächste legendäre akustische Gibson-Gitarre. Der „singende Cowboy“ und Filmstar Ray Whitley hätte gerne ein besonders großes Instrument, Gibson entwirft für ihn daraufhin die Super Jumbo. Diese geht dann unter der Bezeichnung J-200 bzw. SJ-200 1938 in Serienproduktion und ist bis heute besonders im Country & Western nicht mehr wegzudenken.

Ein Jahr darauf beschreitet Gibson dann wiederum neue Wege und stellt mit der Super 400 Premier und der L-5 Premier die ersten Gitarren mit „Cutaway“ vor. Diese für die damalige Zeit radikale, aber brillant einfache Idee etabliert sich schnell zum neuen Standard im Gitarrenbau, da es den Gitarristen somit wesentlich leichter gemacht wird, auch die höheren Tonlagen problemlos zu erreichen.

Während des zweiten Weltkriegs muss sich auch Gibson mit dem Problem verknappter Ressourcen herumschlagen, da fast sämtliche Materialien für die Rüstungsindustrie gebraucht werden. Doch kurz bevor die Produktion umgestellt wird, präsentiert Gibson mit der J-45 sowie der Southern Jumbo (kurz: SJ) zwei weitere auch heute noch beliebte Akustikgitarren.

1944 bekommt die Firma Gibson mit der Chicago Musical Instrument Co. (eines der größten Musik-Großhandelsunternehmen des Landes) einen neuen Besitzer.

Die Nachkriegszeit und der Aufschwung der Gibson-Gitarren

In den Jahren nach dem Krieg etabliert sich Gibson endgültig als eines der führenden Unternehmen im Gitarrenbau. Zunächst wird mit dem P-90-Tonabnehmer ein Singlecoil perfektioniert, was dann wiederum die Konstruktion weiterer neuer Modelle ermöglicht. Darunter Klassiker der E-Gitarre wie die ES-5 (die erste Gitarre mit drei Pickups) und die ES-175 sowie die L-5CES und die Super 400CES.

CES bedeutet nichts weniger als Cutaway Electric Spanish und gibt einen deutlichen Hinweis auf die Grundform der, wie damals noch üblich, halbakustischen Instrumente. Die erste in vollmassiver Bauweise hergestellte Gitarre der Firmengeschichte ist dann 1952 die Gibson Les Paul. Zugegeben: Dieses Modell wird erst nach einigen Anlaufschwierigkeiten zu der heute bekannten Rock’n’Roll-Ikone und zu dem größten Verkaufsschlager der Firmenhistorie. Zwei Jahre später gelingt Gibson 1954 der nächste technische Durchbruch. Der Ingenieur und Firmenvorsitzende Ted McCarty kann vielleicht nicht Gitarre spielen, trotzdem erfindet er die „Tune-O-Matic“-Brücke. Diese erlaubt es, alle Sattel und damit die Höhe der Saiten einzeln zu justieren. Eine sensationelle Idee, die bis heute nicht bloss fester Bestandteil fast jeder Gibson-E-Gitarre, sondern sogar jeder anderen halbwegs ernstzunehmenden E-Gitarre ist.

Der Gibson Humbucker. Und wofür steht eigentlich „P.A.F“?

Das gilt ebenfalls für das nächste große Ding aus dem Hause Gibson: Herkömmliche Singlecoils erzeugen bei der seinerzeit geforderten Lautstärke einfach zu viele Nebengeräusche. Die Lösung ist der Humbucker, ein Tonabnehmer mit zwei Spulen, die phasenverkehrt verbaut sind. Somit löscht das Brummen der einen Spule das Brummen der anderen aus. Daher auch der Name „Humbucker“, was für „Buck the hum“, also „Unterdrücke das Brummen“ steht.

Gibson Humbucker Embossed Logo
Gibson PAF Humbucker mit „Embossed Logo“- Kappe aus dem Jahr 1972

Mitte der 50er-Jahre beginnt Gibson damit derartige Tonabnehmer einzubauen, unter dem Spitznamen „P.A.F“ werden diese Musikgeschichte schreiben. Der Spitzname rührt daher, dass Gibson damals zwar ein Patent angemeldet hatte, die Nummer aber noch nicht vergeben war. Es gibt auch Gerüchte, dass man schlicht das Geld zum Eintragen des Patents nicht hatte. Daher kam nur ein kleiner Sticker mit dem Schriftzug „Patent Applied For“ auf die Rückseite der Haumbucker. Die Abkürzung „P.A.F.“ hat sich dann im Sprachgebrauch durchgesetzt. Heute sind originale P.A.F.s gesuchte und enorm teure Pickups, die Gibson mit den „Burstbucker“-Pickups sehr originalgetreu nachgebildet hat.

Gibson und Epiphone gehören seit 1957 zusammen

Nachdem Gibson schon mehrfach den Besitzer gewechselt hat, wird der Spieß 1957 umgedreht. Gibson kauft den Konkurrenten Epiphone, den ehemals vielleicht größten Rivalen. Kurz darauf reüssiert Epiphone mit komplett überarbeiteter Modellauswahl neu. Doch nicht jede Idee entpuppt sich sofort als Volltreffer. Die im gleichen Jahr vorgestellten Explorer-, Moderne- und Flying-V-Modelle teilen ein ähnliches Schicksal wie seinerzeit auch die Les Paul. Sie sind ihrer Zeit einfach voraus und verkaufen sich anfangs nur in geringen Stückzahlen. Ganz im Gegensatz zur gleichzeitig präsentierten ES-335. Sie verbindet die moderne, massive Bauweise mit traditionellen Elementen.

Die 1960er-Jahre der Beat-Era und des Rock’n’Roll

In den 60er-Jahren freut sich Gibson dann über Rekordumsätze. Stellenweise werden über 100.000 Instrumente pro Jahr in die Läden gewuchtet. 1961 soll dann die Les Paul von der SG abgelöst werden, doch bereits ab 1968 existieren beide Modelle friedlich nebeneinander im Programm.

Ende des Jahrzehnts gehen Gibson als auch der Mutterkonzern CMI dann in den Besitz einer ecuadorianischen Firma über, die ihr Geld sonst mit Zement und Bier verdient. Das ganze bekommt einen neuen Namen: Norlin.

Die Gibson Geschichte der 1970er Jahre

1974 entsteht dann in Nashville eine weitere Gitarren-Fabrik. Die Qualität der an diesem Ort entstanden Gitarren unterscheidet sich stellenweise eklatant von den in Kalamazoo hergestellten, was bis heute regelmäßig Grund für heiße Diskussionen unter eingefleischten Fans ist.

Gibson-Les-Paul-Standard-1979-Headstock
Gibson Les Paul Standard von 1979 mit der damaligen größeren Kopfplatte

Anfang der 80er-Jahre laufen die Geschäfte nicht zum ersten Mal in der Firmenhistorie eher schlecht, auch wenn die kreativen Köpfe hinter Gibson erkennen, dass sich der Markt inzwischen vermehrt für Vintage-Instrumente interessiert und mit ihren ersten Reissues (wie der Les Paul Heritage) kleine Erfolge feiern dürfen.

1984 dann ein echter Tiefschlag: Das traditionsreiche Werk in Kalamazoo schließt seine Pforten endgültig und Gibson zieht komplett nach Nashville um.

Ein paar der alten Gibson-Gitarrenbauer werden später unter dem Namen „Heritage Guitars“ in diesem Werk wieder Gitarren bauen. Die Qualität dieser Gitarren erreicht leider nie professionelle Standards, und so bleiben sie bis heute eher eine kleine Marke im Gitarrenbereich.

Neue Chefs bei Gibson und der Befreiungsschlag von Norlin

Als es Gibson Anfang 1986 finanziell so richtig dreckig geht, springen die heutigen Chefs Henry Juszkiewicz und David Berryman in die Bresche und kaufen Norlin die Marken Gibson und Epiphone für angeblich 20.000 Dollar ab.

Unter ihrer Führung berappelt sich das Unternehmen nicht nur wieder, sondern expandiert sogar. So werden in den Folgejahren weitere Werke in Memphis und Bozeman eröffnet sowie weitere Firmen wie der Schlagzeughersteller Slingerland oder der Software-Hersteller Cakewalk in das Firmenkonglomerat eingegliedert. Dass alte und neue Rockstars wie Joe Perry von Aerosmith oder Slash von Guns’n’Roses fast ausschliesslich auf bewährte Gibson-Klassiker setzen, unterstützt diese Entwicklung nur.

Um die Nachfrage nach Gitarren alter Schule befriedigen zu können vergrößert Gibson 1993 seinen Custom Shop , der sich auf hervorragende Nachbauten der alten Schätzchen spezialisiert hat.

Das 21. Jahrhundert: Gibson stellt sich breiter auf

Auch im neuen Jahrtausend geht es für Gibson weiter nach oben. Mittlerweile gehören zahllose Firmen zum Konzern, doch sich auf den erreichten Lorbeeren auszuruhen kommt für Gibson nicht in Frage. Stetig wird versucht, die bewährten Klassiker mit mehr oder weniger vorsichtigen Modifikationen noch besser zu machen. Doch auch Innovation ist nach wie vor ein großes Thema: Mit dem Kauf der Firma Tronical bringt Gibson die „Robot-Guitar“ auf den Markt, die nach der ersten selbststimmenden Gitarre von Jimmi Page nun Serienreife erlangen soll.

Gibson Gitarren Logo
Das frühere Gibson Guitars Logo mit MOP-Look

Moody rankt Gibson runter und Gerüchte um einen Verkauf

2007 zentralisierte Gibson seinen Vertrieb in Vianen/NL und baute überall auf der Welt teure Showrooms und Artist-Relation-Büros auf. Allein der Showroom in Tokio soll Gerüchten zufolge 40.000 Dollar im Monat verschlungen haben. War es bis dahin für Musikhändler noch möglich, auch einzelne Gibson-Gitarren kaufen und verkaufen zu können, so hat Gibson mit seiner neuen Vertriebspolitik nur noch Händler im Boot, die gewisse Anzahlen und Modelle im Laden haben.

Permanente Qualitätsschwankungen brachten die Marke immer wieder ins Gerede, und die Modellpalette von 2015 verkaufte sich unter den Erwartungen. Schließlich rankte die Ratingagentur die Firma Gibson herunter.

Es kursierten Gerüchte um einen Verkauf der Marke an einen Wettbewerber aus dem Gitarrenbereich, die sich bis heute aber nicht bewahrheiteten.

Tradition und Weitermachen bei Gibson Guitars

Bis in die 2000er-Jahre hatte Gibson noch den Claim „Quality, Prestige and Innovation“ in Verwendung. Drei wichtige Werte, die die Marke wohl auch in Zukunft noch weiter wachsen lassen werden.

Gibson ist sich der eigenen Tradition bewusst, und so werden wir auch in diesem Jahr über etliche Les Pauls, SGs oder Flying Vs staunen, die es trotz ihres Alters immer wieder schaffen, uns neu zu begeistern. Qualität setzt sich am Ende eben immer durch.

Link zur Gibson-Website: https://www.gibson.com