Fender Jazz Bass: 1969 vs. 2019!

Vorgestellt wurde der Fender Jazz Bass 1960. Schnell entwickelte er sich zum Standardinstrument der Bassgemeinde. Eine Liste mit Usern dieses Modells würde nicht nur diesen Artikel, sondern das ganze Portal sprengen. Bis heute ist der Jazz beliebt und wird gerne gekauft. Den Legendenstatus des Fender Jazz Bass kann man ganz gut daran ablesen, dass nahezu jeder Hersteller von E-Bässen ein Modell im Angebot hat, das in Design, Pickupbestückung, Holzwahl oder Maßen an ihm orientiert ist. Das war eine Meisterleistung, Herr Fender!

Heute möchte ich nun ein Modell von 1969 (all original) mit einem aktuellen 2019er „Pro“ Modell vergleichen. Natürlich gibt es Unterschiede, ich sage nur Modellpflege. Die Preise von Vintageinstrumenten steigen derzeit immer weiter. So stellt sich die Frage, ob das alles nur Hype ist, oder ob die alten Bässe tatsächlich „besser“ sind. Lasst es uns im direkten Vergleich herausfinden.

Fender Jazz Bass 1969 vs 2019
Wie sehr hat sich der Fender Jazz Bass in den letzten 50 Jahren verändert? © Ove Bosch // LOUDER.com

Fender Jazz Bass: Unterschiede zwischen 1969 und 2019

Fender fertigt, im Gegensatz zu damals, heute in Corona. Die Zeichnungen, Schablonen und Vorlagen aus der Fullerton Produktion sind aber unbeschadet im neuen Werk angekommen. Und so sind die Maße der Instrumente identisch, genau wie Materialien. Erlebody, Ahornhals und Palisander Griffbrett, die klassischen Zutaten eben.  Auch die Pickuppositionen sind identisch.

Unterschiede gibt es bei der Bridge, die ist beim neuen wesentlich massiver. Und die Mechaniken sind halboffen. 1969 hat man noch die sogenannten „Aschenbecher“ montiert, die Pickupabdeckungen. Unterhalb der Saiten findet sich ein aufgeschraubtes Kunststoffteil, zu dem man heutzutage bei anderer Positionierung „Thumbrest“ sagen würde. Das stört beim Slappen und so war es kein Fehler, dass Fender sich entschieden hat die Bleche und dieses Teil irgendwann mal wegzulassen.

Man kann dem Hersteller vorwerfen, dass in den letzten Jahrzehnten außer immer wiederkehrenden Neuaufgüssen der bekannten Klassiker nicht viel passiert ist in Sachen Modernisierung und Erweiterung des Modellrasters. Vor einigen Jahren war ich zu Besuch im Fender Werk. Auch die Produktionsbedingungen, Maschinenpark und Abläufe sind von einer modernen Fertigung weit entfernt.

Aber Moment mal! Der Fender Jazz Bass und auch der Precision sind zwei der beliebtesten Bassmodelle der letzten Jahrzehnte. Sie werden immer noch gekauft wie geschnitten Brot. Warum sollte man hier also nicht auf Altbewährtes vertrauen? Da wir Musiker im Allgemeinen bei Neuerungen nicht in Überschwang verfallen, machen die Kalifornier hier schon alles richtig.

Das „Pro“ Modell ist ein tadellos gefertigter Bass, einwandfrei in allen Belangen. Ein klasse Instrument mit einer Menge traditionellem Spirit. Man merkt dem Bass an, dass die Erbauer viel Erfahrung haben und sich immer wieder mit Musikern kurzschließen. Signature Modelle vom Jazzbass gibt es beispielsweise für Flea, Geddy Lee oder Adam Clayton.

Unterschiede im Klang der beiden Jazz Bässe

Ich habe die Jungs von Thomann vollgelabert, dass sie mir diesen Bass für das Video und diesen Bericht zur Verfügung stellen. Das haben sie dankenswerterweise auch getan, großer Shoutout!!

Da der Bass aber nagelneu ist und als solcher auch noch verkauft werden soll, waren mir für den Test gewisse Grenzen auferlegt. Saitenwechsel war nicht angesagt.  Die standard Fender Saiten sind aber ebenso Nickel beschichtete Stahlsaiten, wie die DR sunbeams, die ich auf den ’69 aufgezogen habe. Sollte also ok sein.

Wie zu erwarten war gab es klangliche Unterschiede. Der Youngster klingt im Vergleich zum Oldtimer etwas komprimierter, dunkler und „kleiner“. Die Dynamik des alten Jazz Basses, seine Vitalität sind sagenhaft, er springt einen förmlich an. Auch ist er ein Stück lauter. Ich möchte hier gar nicht dem Mythos der eingeschwungenen Hölzer, der Neuausrichtung der Moleküle und anderen Theorien nachgehen. Fakt ist ganz einfach: Der alte Bass klingt besser.

Aber wir sprechen hier von unterschiedlichen Variationen des gleichen Themas. Beide sind unverkennbar, bekennen bereits mit den ersten Tönen Farbe. Ihre Herkunft können sie nicht verleugnen und legen für alle Kopien und Nachahmer die Soundlatte verdammt hoch.

Ich habe ein Video für meinen YouTube Kanal über diese beiden Bässe und deren Vergleich gemacht, da kann man diverse Soundbeispiele hören.

Was ich an meinem Vintage Fender Jazz Bass besonders mag

Der ’69 ist glücklicherweise meiner, weshalb ich ihn natürlich gewöhnt bin. Der Bass ist, nach all den Jahren kaum erstaunlich, gut eingespielt, was sich auch an der Optik bemerkbar macht. Wie bekannt ist, ist Nitrolack nicht die langlebigste Lösung für Instrumente, anfällig für Schweiß, Temperaturunterschiede und leicht zu beschädigen. Aber er fühlt sich einfach geil an. Speziell nach fünfzig Jahren. Der Hals dieses Basses ist der Hammer. Geschmeidig, schnell und man fühlt sich „daheim“.

Die Lackierung des neuen ist perfekt ausgeführt. In Sachen „Feeling“ hängt sie aber weit hinterher. Die glatte Oberfläche des Halses und des Korpus fühlt sich eben neu an. Der Vergleich eines neuen Paares Schuhe mit einem alten, eingelatschten, drängt sich auf. Beide passen gut, aber in dem alten Paar fühlt man sich wohler. Das alles ist natürlich rein subjektiv, aber in der Musik spielen Emotionen ja eine nicht unerhebliche Rolle. Dadurch ist Subjektivität auch im Bezug auf Instrumente erlaubt.

Fazit: Der Fender Jazz Bass überzeugt auch nach über 50 Jahren!

In der Tat bin ich am Überlegen, ob ich meinen alten Bass noch jedes Wochenende mit zum Gig nehmen möchte. Von einem möglichen Diebstahl mal abgesehen, kann auf Tour doch so einiges passieren. Eventuell muss also in absehbarer Zeit Ersatz her. Dann wäre ein Modell der „Pro“ Serie sicherlich ganz vorne in der Auswahl. Zumal es den auch in coolen Farben gibt.

Der Preis des Oldies steigt von Jahr zu Jahr. Im Moment liegt er irgendwo zwischen 4. und 5. Kiloeuro. Damit ist er zwei bis drei mal so teuer wie sein Nachfahre. Der Vintagemarkt für den Fender Jazz Bass boomt seit Jahren. Bei Anschaffung eines alten Instrumentes kann also auch das Thema Geldanlage eine Rolle spielen. Wo man sein Geld ausgibt, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Kauft man einen Fender Jazz Bass, hat man in jedem Fall einen Instrumentenklassiker, der sich auf jeder Bühne und in jedem Genre gut macht. Das kann ja nie ein Fehler sein!

Fender Jazz Bass Vergleich zwischen 1969 und 2019
Egal, für welchen Fender Jazz Bass Du Dich entscheidest: Du kriegst auf jeden Fall ein klasse Instrument! © Ove Bosch // LOUDER.com