Direkt vom Physiker: Vahlbruch Effektpedale im Test

Vahbruch Effektpedale: Boutique aus Hannover

Boutique-Effektpedale sind schon was Besonderes. Feinste Bauteile, originelle Optik, viel Schweiß und Fleiß des Entwicklers und natürlich hervorragende Sounds. In Deutschland tummeln sich diverse Einzelkämpfer-Pedalhersteller. Aber was ist anders, wenn die Pedale vom Diplom-Physiker Dr. Henning Vahlbruch entwickelt und gebaut werden? Das wollen wir hier herausfinden.

Kennen Sie schon Dr. Henning Vahlbruch?

Arbeit und Hobby sollten sich nicht im Weg stehen. Wer begeisteter Gitarrist und Physiker ist, kann durchaus einen spannenden Nebenjob haben. Der promovierte Diplom-Physiker Dr. Henning Vahlbruch aus der Nähe von Hannover ist hauptberuflich am „Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik“ tätig. Hut ab! Wenn die Erdanziehung und die Familie versorgt sind, arbeitet er nachts an seinen Effektpedal-Kreationen. Wozu schlafen, wenn man in der Zeit auch tolle Gitarrenpedale bauen kann?

Vahlbruch Gitarreneffekte 1
Familienfoto der Vahlbruch Gitarreneffekte – by larsgroetzinger.com

Was macht der Herr Doktor Vahlbruch bei seinen Effekten anders?

Vielleicht ist es seinem beruflichen Hintergrund zuzuschreiben, dass die Vahlbruch-Pedale etwas anders daherkommen als andere Boutique-Effektpedale. Unsere beiden Verzerrer haben kein handbemaltes Gehäuse oder sind mit hippen Grafiken versehen. Bei Vahlbruch Effekten gibt es aufwendige Metallic-Lackierungen in rot und blau mit glitzernen Flakes. So etwas bekommt man in der heimischen Garage nur schwer hin. Auch die edlen schwarzen Kartons der Effektpedale verbreiten High-end statt Hippie-Flair. Der clever gelöste Einschub für die 9-Volt-Batterie ist ein weiteres Zeichen für den praktisch denkenden Physiker. Ein Batteriewechsel findet in Sekunden statt, man muss nicht erst einen Schraubendreher suchen und die Unterseite des Gehäuses aufschrauben.

Vahlbruch Pedale mit Booster & True Bypass

Jeder Gitarrist will bei seinem Solo auch gut hörbar sein. Und für diesen besonderen Moment muss nunmal mehr Lautstärke her. Die Vahlbruch-Verzerrer haben für diesen Zweck gleich einen Booster an Bord. Mit dem linken Fußschalter gibt es mehr Lautstärke und mehr Gain, die vorher an gesonderten Reglern eingestellt werden. Dies ist quasi ein zweiter Kanal, denn man kann zwischen angezerrt und vollverzerrt wählen, wenn man beide Lautstärken identisch einstellt.

Wie es sich für Boutique-Effekte gehört, glänzen auch die Vahlbruch-Pedale mit „true bypass“ und erlesenen Bauteilen. Herstellung in Handarbeit mit feinster Analogtechnik und extremer Nebengeräusch-Freiheit sind Merkmale dieser High-Quality-Pedale aus Hannover.

Vahlbruch Jewel Drive und Sapphire Drive Pedale
Vahlbruch Jewel Drive und Sapphire Drive Pedale – by larsgroetzinger.com

Das Vahlbruch Jewel Drive Pedal im Test

Der rote Vahlbruch Jewel Drive bietet einen warmen und vollen Overdrive-Ton. Mit dem DRIVE-Regler lässt er sich von sanft angezerrt bis singend overdriven einstellen. Der DRIVE+-Regler liefert beim Aktivieren des zweiten Kanals bzw. Boosters noch mal eine Schippe mehr Gain. Das klingt schonmal alles sehr gut. Doch der JEWEL DRIVE kann auch beißen! Dafür hat er gleich zwei Regler: TREBLE und TIMBRE. Der erste ist natürlich ein Höhenregler. Die eigentliche Sensation des Pedals ist der TIMBRE-Regler. Über die Hälfte aufgedreht, werden die Mitten bearbeitet, der Sound wird unglaublich prägnant und durchsetzungsfähig. Ordentlich Biss und Spielspass bei wenig oder viel Gain. Das macht Freude. Blues- und Rockriffs perlen aus den Fingern, man will gar nicht mehr aufhören. So soll ein Overdrive-Pedal sein: Inspiration und Spielfreude durch guten Sound!

Witzig ist auch die Kombination, TIMBRE voll aufzudrehen, aber dem Pedal mit TREBLE auf Linksanschlag die Höhen zu klauen. DRIVE auf Mittelstellung, Halstonabnehmer wählen, Bluesriffs mit den Fingern spielen … ein Traum! Wohlgemerkt: Der Vahlbruch Jewel Drive ist trotz riesiger Gain-Reserven und feinster Klangregelung mit TREBLE und TIMBRE nach wie vor ein Overdrive mit warmem Sound. Soll es richtig rockig werden, brauchen wir seinen blauen Bruder, den Sapphire Drive.

Vahlbruch Sapphire Drive Effektpedal innen
Das überaus aufgeräumte Innere des Vahlbruch Sapphire Drive Pedals – by larsgroetzinger.de

Der Vahlbruch Sapphire Drive im Test

Dieser Verzerrer hat echten Distortion-Grundsound. Es rockt. Dabei liefert der DRIVE-Regler auf den anfänglichen zwei-Dritteln seines Regelwegs eher moderates Gain. Erfahrene Gitarristen wissen, dass man mit weniger Gain oft die druckvollere und durchsetzungsfähigere Rock-Gitarre hinbekommt. Mehr Durchsatz im gesamten Bandsound. Hört man sich Malcom und Agnus Young von AC/DC an. Ist das das perfekte Beispiel.

Dieser optimale Sound lässt sich beim Vahlbruch Sapphire Drive mit dem DRIVE-Regler sehr fein einstellen. Auf dem letzten Drittel gibt es dann  reichlich Gain-Reserven. Und Gain im Überfluß gibt es zusätzlich beim Drücken des linken Fußschalters, wenn der Booster aktiviert wird. Der DRIVE+-Regler lässt keine Wünsche offen.

Kleine Anmerkung: Der VOLUME-Knopf regelt natürlich die Gesamtlautstärke, was der VOLUME+-Regler noch an zusätzlicher Lautstärke für das Solo oben draufpacken kann, ist echt erstaunlich. Wer seinem trägen Röhrenamp am Eingang mal so richtig Feuer geben will, wird ihn mit dem Vahlbruch Sapphire Drive garantiert in die Röhrensättigung treiben.

Der Character-Regler beim Vahlbruch Sapphire Drive

Wie auch sein roter Bruder bietet der blaue Sapphire Drive einen besonderen Regler. Beim Drehen am CHARACTER-Knopf werden in der Schaltung des Pedals mehrere Parameter auf einmal verändert. Mitten-Spektrum, Drive-Struktur, Dynamik und Frequenzgang ändern sich. Das Wort CHARACTER ist gut gewählt, man bekommt auf dem Regelweg zwischen Links- und Rechtsanschlag so einiges an Varianten geboten. Die lassen sich dann mit dem TONE-Regler noch weiter abstimmen. Und auch viel oder wenig DRIVE beeinflusst natürlich die Sounds. Mit diesen drei Reglern kann man schon eine ganze Weile rumspielen. Tolles Pedal!

Vahlbruch Pipeline Effektpedal Gitarre
Das Vahlbruch Pipeline Pedal – by larsgroetzinger.de

Vahlbruch Pipeline Hall-Pedal im Test

Mit dem neuen Vahlbruch Pipeline Pedal beglückt der Doktor die Gitarristenwelt mit einer Federhall-Simulation. Ein kleines Pedal, welches den Klang der großen Spiralfedern anbietet, kann dies natürlich nur mit Hilfe von Digitaltechnik simulieren. Das macht aber nix, wenn es so hochwertig klingt wie beim Vahlbruch Pipeline Pedal vom Herrn Doktor Vahlbruch. Der REVERB-Regler bestimmt den Hallanteil (Linksanschlag = kein Hall, Rechtsanschlag = volle Pulle Hallllll). Der VOLUME-Knopf regelt die Lautstärke des trockenen Signals. Bei Mittelstellung ist es genauso laut wie mit ausgeschaltetem Pedal. Bei Rechtsanschlag (und REVERB weggedreht) hat man also sogar noch einen Booster, um auf Solo-Lautstärke zu erhöhen.

Was ist ein „Federhall“ und warum scheppert mein Verstärker, wenn ich ihn bewege?

„Warum scheppert mein Verstärker, wenn ich dranstoße?“ Eine in Gitarrenforen häufig gestellte Frage. Das, was da „scheppert“, ist der Federhall. Besser gesagt, die Federspiralen im Hall-Element des Verstärkers, die gegen das Chassis schlagen. Kurze Erklärung zum Federhall: Bevor es die Digitaltechnik gab, also in den 1950er-, 1960er- & 1970er-Jahren, konnte man Hall für Gitarren nur elektromechanisch erzeugen. Mit langen Spiralfedern, die in viele Amps eingebaut waren. Kam man versehentlich gegen den Verstärker, gab es ein ohrenbetäubendes Knallen und Scheppern, weil die Federn aneinanderschlugen. Da es damals aber der einzige Hall war, prägte sich der etwas „schepperige“ Klang des Federhalls als „wohlklingend“ in das kollektive Unterbewusstsein. Die legendären Rock-, Blues- und Pop-Alben dieser frühen Jahrzehnte taten ihr übriges dazu. Marshall-Verstärker, Sound City oder Hiwatt-Amps. Hatten die Verstärker damals einen internen Hall, so war dies ein Federhall.

Doch zurück zum Vahlbruch Pipeline Hall-Pedal Test

Spannend wird es aber jetzt mit den beiden Dreifach-Minischaltern: Der eine wählt virtuell zwischen kurzen, mittellangen und langen Spiralfedern, das verändert hauptsächlich die Nachklang-Zeit des Halls. Der andere Minischalter regelt den TONE zwischen neutral, bright und dark. Gerade die „dark“-Einstellung gefällt mir gut, der Hall hat ein dunkles Timbre, aber weil ein Federhall simuliert wird, ist er eben nicht steril, sondern „lebt“ irgendwie.

Viele „normale“ Hallpedale wie der BOSS RV-6 „Reverb“ und der TC „Hall of Fame“, aber auch der Hall in Multieffekt-Geräten, bieten heutzutage verschiedene Modes. Darunter ist auch immer eine Federhall-Simulation. Diese ist aber oft viel zu „schepperig“ und damit einfach zu viel des Guten. So nach dem Motto: „Hört mal Leute, wie toll wir die Spiralfedern nachgebildet haben!“. Beim Vahlbruch Pipeline Hall Pedal ist der simulierte Eigenklang der Federn nicht übertrieben. Der Sound ist voll, warm und authentisch. Sehr gut, Herr Ingenieur!

Kleine Schwäche des Vahlbruch Pipeline Hall Pedals

Was der Vahlbruch Pipeline nicht kann und wohl auch nicht können muss, ist  Surf-Musik. Wer diese Musikrichtung spielen will, braucht den extrem twangigen und scheppernden Klang des berühmten Fender-Röhrenhalls. Das Originalgerät ist groß und teuer. Das einzige Pedal, was diesen sehr speziellen Federhall simuliert, ist der BOSS FRV-1, den Boss in Zusammenarbeit mit der Firma Fender entwickelt hat.

FAZIT zum Test der Vahlbruch Effektpedale

Wer ein hochwertiges Overdrive- oder Distortionpedal sucht, mit vielen Klangvarianten, inspirierenden Sounds und einem eingebauten Booster für lautere Soli, dem sei der Vahlbruch Jewel Drive und Vahlbruch Sapphire Drive sehr ans Herz gelegt.

Für alle, die den Klang des guten alten Federhalls suchen, wie er in fast allen legendären Röhrenverstärkern eingebaut war, ist das Vahlbruch Pipeline Pedal eine klare Kaufempfehlung. Schau hier auf LOUDER.com nach den Vahlbruch-Pedalen oder besuch einfach mal die Website von Vahlbruch.