Die wichtigsten Gibson Gitarren – So unterscheidest Du Les Paul, SG, Explorer und Flying V

Die wichtigsten Gibson Gitarren kennt heute fast jeder Gitarrist.

In diesem Artikel zeigen wir euch die wichtigsten Gibson Gitarren aller Zeiten  und unternehmen einen kleinen Exkurs in die Historie der Marke, den Rock’n’Roll und den Siegeszug von Les Paul, SG und Konsorten. Denn wer sich seit über 120 Jahren im Gitarrenbau behaupten kann, der muss einfach vieles richtig gemacht haben, keine Frage.

Gibson Guitars – Die Anfänge in den USA

Die 1894 gegründete Firma Gibson hat in ihrer langen Karriere einige grandiose Instrumente entwickelt, von denen sich viele bis zum heutigen Tage ungebrochener Beliebtheit erfreuen dürfen. Wie stellen euch die essenziellen Modelle dieser modernen E-Gitarren-Klassiker etwas genauer vor.

Die Gibson Les Paul und wer war Lester Polfuss?

Das wohl bekannteste Instrument im Gibson-Programm ist zweifellos die Les Paul. Dank Gitarren-Göttern wie Jimmy Page, Slash, Zakk Wylde oder Joe Bonnamassa in den Status einer ultimativen Rock’n’Roll-Ikone erhoben, zählt die auf den Künstlernamen ihres Erfinders Lester William Polsfuss (selbst ein begnadeter Instrumentalist) getaufte Gitarre heute zu den größten Erfolgen von Gibson. Zugegeben, das sah bei der Vorstellung 1952 noch anders aus. Aber Qualität und Innovation setzen sich am Ende eben immer durch.

Die Gibson Les Paul mit P-90 Pickups

Ursprünglich mit P-90 Pickups und einer trapezförmigen Konstruktion von Saitenhalter und Brücke versehen, wurde dieses Modell im Laufe der Zeit mit einer Kombination aus Stop-Bar-Tailpiece und Tune-O-Matic-Brücke sowie zwei Humbuckern zu der Gibson Les Paul weiter entwickelt, wie wir sie heute kennen.
Das grundsätzliche Design und die Form bleiben über all die Jahre gleich – massive Konstruktion, durchgehender Hals und ein Cutaway. Inzwischen gibt es unzählige Ausführungen dieser Gitarre, deren Varianten du hier auf Louder.com findest und vergleichen kannst.

Unterschiede der Gibson Les Paul Modelle

Willst Du die verschiedenen Gibson Les Paul Modelle unterscheiden, hilft dir dabei folgende Faustregel: Je schlichter die optische Ausführung (Decke, Bindings, Inlays etc.) desto günstiger der Preis. Auch bei der Hardware kann es beispielsweise bei der Tonabnehmer-Bestückung Unterschiede geben – Humbucker ist eben nicht immer gleich Humbucker. Um Gibson Les Paul Modelle zu unterscheiden, richte deinen Blick auf das Binding, also die Einfassung der Korpus-Decke. Ist die Decke Gewölbt, aber kein Binding vorhanden, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Gibson Les Paul Studio. Findest Du ein einlagiges Binding um die Decke, ist es wahrscheinlich eine Les Paul Standard. Und hast Du ein mehrlagiges Binding um Decke und Boden, dann wird es wohl eine Gibson Les Paul Custom sein. Les Pauls mit flacher Decke und einfachen Features wie z.B. Dot-Inlays im Griffbrett (ca 5 mm große Punkte im Griffbrett) sind wahrscheinlich Les Paul Juniors. Dabei belassen wir es mal als Grundtypen der Gibson Les Paul. Es gab unzählige Variationen, Sondermodelle und Artist-Modelle von Künstlern. Diese  hier zu nennen, würde den Rahmen sprengen.

Als aus der Les Paul die Gibson SG wurde

Kaum weniger beliebt ist die Gibson SG, deren Entstehungsgeschichte interessanterweise direkt mit der Gibson Les Paul zusammenhängt. Zu Beginn der 60er-Jahre gilt die Les Paul nämlich bereits als veraltet und überholt, weswegen Gibson die Produktion dieses Typs einstellt und erst ein paar Jahre später anlässlich massiv gewachsenen Interesses wieder aufnimmt. Stattdessen wird die die Gibson SG vorgestellt. Ein voller Erfolg, laut offizieller Aussage von Gibson selbst ist die SG der Verkaufsschlager überhaupt im Programm – mehr Exemplare eines Modells hat man insgesamt nicht verkauft.

Die Gibson SG mit Angus Young, Tony Iommi und Derek Trucks.

Das Design der Gibson SG gilt bei Marktenführung 1961 als schnittig-modern. Mit doppeltem Cutaway erhält der Korpus seine einzigartige Form. Die spitzen Hörner werden auch gerne als „Teufelshörner“ beschrieben. Da passt es natürlich nur zu gut, dass Angus Young von AC/DC seine gesamte Karriere ausschließlich mit Gibson SGs bestritten hat, gerüchteweise soll er gleich mehrere hundert Exemplare dieser Gibson Gitarren besitzen.

Ein weiterer, mindestens ebenso prominenter SG-Benutzer ist Tony Iommi, seines Zeichens Gitarrist von Black Sabbath. Der Linkshänder erzeugt seinen stilprägenden, den Heavy Metal definierenden Sound ausschliesslich mit einer Gibson SG. Stellvertretend für die jüngere Generation von SG-Liebhabern sei hier nur der Bluesrocker Derek Trucks genannt.

Die Vorteile der Gibson SG

Die SG ist wegen des dünneren Bodies deutlich leichter als ihr Vorgänger, was auch den Gesamtsound etwas mitten-lastiger macht. Dank eines Halsübergangs in Höhe des 22. Bunds sind die höheren Lagen noch einfacher zu erreichen als auf einer Les Paul. Insgesamt gilt die Bespielbarkeit als sensationell leichtgängig – Gibson wirbt zeitweise mit dem Slogan „Der schnellste Gitarrenhals der Welt“. Denn bereits auf der 1960er Gibson Les Paul Standard wurde ein schlankeres Halsprofil, also ein dünnerer Hals eingeführt, der ein schnelleres Spiel ermöglichte als auf den vorherigen Hälsen, die damals etwas dicker waren. Dieser Spielkomfort, gepaart mit den Kombinationsmöglichkeiten der zwei Humbucker-Tonabnehmer, machen aus der SG eine Allzweckwaffe, die sich in vielen Stilen zuhause fühlt.

Gibson Designer Series mit Explorer, Flying V und Moderne

Schon ein paar Jahre vor der SG versucht Gibson neue Wege zu gehen. Gegen Ende der 50er-Jahre stellte der Hersteller gleich mehrere neue Modelle vor, deren Designs seinerzeit als „zu futuristisch“ angesehen wurden und dementsprechend beim Publikum durchfielen. Heute aber zählen sie zu den absoluten Klassikern im Gibson-Programm. So zum Beispiel die Gibson Flying V mit dem unverwechselbaren „V“-förmigen Korpus und dem pfeilförmigen Headstock. Die Produktion dieses Modells wird nach knapp zwölf Monaten wieder eingestellt. Es dauert ein paar Jahre, bis die Flying V dank prominenter Fürsprecher wie dem Blueser Albert King oder Dave Davis, dem Gitarristen der Kinks, 1967 wieder ins Gibson-Programm zurückfindet.

Gibson Flying V als die Ur-Metal-Gitarre

Ein Jahrzehnt später entdecken dann die Heavy-Metal-Musiker die schnittige Form und die doppelte Humbucker-Bestückung für sich. Musiker wie Michael und Rudolf Schenker von den Scorpions, KK Downing von Judas Priest, James Hetfield und Kirk Hammett von Metallica und Dave Mustaine von Megadeth können hier nur eine kleine Auswahl aus dem härteren Benutzerspektrum abbilden. Und wie sich die Zeiten doch ändern können: Galt die Optik anfangs als einer der größten Kritikpunkte, so gibt es heutzutage unzählige Varianten anderer Hersteller, die von der „umgedrehtes V mit Hals dran“-Form des Gibson-Originals inspiriert werden.

Die Geschichte der Gibson Explorer verläuft nahezu identisch.

Die Explorer wird parallel zur Flying V vorgestellt, mit den gleichen Design-Argumenten abgestraft. Seinerzeit ist sie ein absoluter Verkaufsflop und heute heißbegehrt. Nur ein Beispiel: Zwischen 1958 und 1959 werden mangels Interesse insgesamt nur 22 Exemplare aus Korina-Holz gebaut. Wer heute eines dieser Vintage-Gibson-Originale sein Eigen nennen will, der muss mindestens 250.000 Dollar auf den Tisch legen. Eine viertel Million für eine Gibson Gitarre? Bitte genau jetzt locker weiteratmen …

Auch hier waren es überwiegend die Musiker der Hard’n’Heavy-Abteilung wie (mal wieder) James Hetfield von Metallica, Matthias Jabs von den Scorpions oder Rick Nielsen von Cheap Trick, die der Explorer zu spätem Ruhm verhalfen. Dass selbst The Edge von U2 immer mal wieder zur Gibson Explorer greift, ist ein guter Beweis dafür, dass mit zwei Humbuckern nicht immer nur Vollgas gefahren werden muss. Auch hier haben sich mittlerweile unzählige andere Hersteller an der Korpusform bedient. Zusätzlich feiert die einst als „Eishockeyschläger“ verschriene Kopfplatte im Zeitalter der Super-Strats ein unerwartetes Comeback.

Die halbakustische Gibson ES-335 Semi-Solid-Gitarre

Bis hierher haben wir uns ausschliesslich Solidbodys (also in vollmassiver Bauweise konstruierten Instrumenten) gewidmet. Doch Gibson hat auch diverse, nicht weniger essentielle halbakustischer Gitarren kreiert, die sich ebenfalls nach wie vor ungebrochener Beliebtheit erfreuen. Die ES-335 brachte Gibson Ende der 1950er-Jahre als spannende Verschmelzung von akustischer und elektrischer Gitarre auf den Markt. In der Mitte ein solider Holzblock für den satten Sound und das Sustain. Die hohlen und mit charakteristischen F-Löchern verzierten Seitenteile ergeben dann den einzigartig warmen Ton.

Frühe Rock’n’Roller und Blueser wie Chuck Berry oder B.B. King machten die Gitarre international bekannt. Ein Jahrzehnt später versetzten Ten Years After das Woodstock Festival in Ekstase – auch dank Albert Lee und seiner mit Stickern übersäten und unzählige Male fotografierten Gibson ES-335. In den Achtzigern greift dann Andy Summers von The Police immer wieder zu diesem Modell. Heute schwören moderne Punkrocker wie Dregen von den Backyard Babies auf diese Gitarre. Dieser hat noch einen ganz besonderen Trick auf Lager: Um die bei entsprechender Lautstärke auftretenden, konstruktionsbedingten Rückkopplungen zu minimieren, stopft er einfach ein bis zwei T-Shirts durch die F-Löcher.

Im Laufe der Zeit hat Gibson diese Gitarre in unterschiedlichen Varianten (ES-345, ES-355) und Signature-Modellen weiterentwickelt. So bekam B.B. King seine legendäre „Lucille“ auf den Leib geschneidert und Foo-Fighter Dave Grohl ließ sich die DG-335 bauen, die sich durch ein anderes Kopfplatten-Design und trapezförmige Korpuslöcher optisch subtil vom Original unterscheidet.

Gibson Gitarren heute

Unabhängig davon, welche Innovationen und Neuerungen Gibson Gitarren Jahr für Jahr präsentiertet, so sind es besonders Gitarren wie die hier vorgestellten, die den Weltruhm dieses Herstellers bis heute begründen. Sie haben sich nicht ohne Grund als absolute Dauerbrenner unter den E-Gitarren etabliert.

Hier auf Louder.com findet ihr natürlich immer eine entsprechend heiße Auswahl dieser E-Gitarren in verschiedenen Ausführungen. Natürlich auch in abgewandelten Varianten anderer Hersteller wie zum Beispiel ESP, FGN oder Ibanez.

Fazit

Wir hoffen, dass wir mit dieser Übersicht der wichtigsten Gibson Gitarren ein wenig Licht ins Dunkel bringen konnten. So könnt ihr in Zukunft die wichtigsten Gibson Gitarren schnell unterscheiden und beim Gitarre kaufen hier auf Louder.com immer die richtige Wahl treffen.

 

Quelle Bildmaterial: Gibson.com & Got3d.com