Alles über die Fender Telecaster

Aus vielen Bereichen der Musikgeschichte ist die Fender Telecaster nicht mehr wegzudenken. Viele Country-, Blues- und auch Rock-Gitarristen schwören auf die minimalistische E-Gitarre aus dem Hause Fender. Und wahrscheinlich hast auch Du schon das ein- oder andere Mal mit einer Tele geliebäugelt, gib‘s doch zu.

Aber obwohl die Telecaster so prägend für die Musikgeschichte war, kennt doch kaum jemand ihre Geschichte. Weißt Du zum Beispiel, wieso die meisten Telecaster-Modelle einen braunen Streifen auf der Rückseite des Halses haben? Nein? Dann bist Du hier genau richtig. Komm mit LOUDER.com auf eine Reise zu den Ursprüngen der Fender Telecaster!

Fender Telecaster in klassischem Candy Apple Red ©LOUDER.com
Die klassische Fender Telecaster im ikonischen Candy Apple Red Finish. © LOUDER.com

Leo Fender: Der Vater der modernen Rockmusik

So schlicht, wie Leo Fenders Idee heute wirken mag, so genial war sie zu seiner Zeit. Obwohl viele Erfinder von einer rückkopplungsfrei verstärkbaren Gitarre träumten, wollte es doch keinem so recht gelingen. In den 40er Jahren gab es mehrere Versuche, erste Solidbody E-Gitarren herzustellen. Diese scheiterten aber meistens am Gewicht, der Konstruktion oder den enormen Produktionskosten.

Und auch Leo Fender experimentierte vor seiner bahnbrechenden Erfindung schon mit Musik-Equipment herum. Seine erste Firma, K&F Manufacturing Corporation hatte schon in den frühen 1940ern Plattenspieler und Lapsteel-Gitarren im Angebot. 1946 gründete der Erfinder dann die „Fender Electrical Instrument Co.“, zunächst lediglich zur Produktion von Gitarrenverstärkern.

In dieser Zeit hatte Fender, der selber nie Gitarre spielen lernte, die geniale Idee, eine E-Gitarre zu bauen, welche man im Stehen spielen können sollte. Hierzu wandelte er zunächst eine Lapsteel-Gitarre ab, welche klassischerweise im Sitzen mit einem Slide gespielt wird.

Body der Fender Telecaster in klassischem Candy Apple Red ©LOUDER.com
Seit 1950 quasi unverändert: Der Body der Fender Telecaster ist einfach ein Klassiker. © LOUDER.com

1949 folgte dann der erste „richtige“ Prototyp der späteren Fender Telecaster, zu diesem Zeitpunkt jedoch noch aus Sperrholz. Und schon ein Jahr später, 1950, stellte Fender seine ersten beiden fertigen E-Gitarren vor. Im Sommer präsentierte die Fender Electrical Instruments Co. zunächst die Fender Esquire mit nur einem Pickup. Schon im Winter folgte dann die Broadcaster, die mit zwei Tonabnehmern ausgestattet war. 1951 wurde dann aus der Broadcaster die „Telecaster“ wie wir sie heute kennen. Die Fender Esquire* ist jedoch immer noch als abgespeckte Version mit einem Pickup erhältlich.

Die neue E-Gitarre sorgte sofort für Aufsehen, wenn auch nicht zwingend für Begeisterung. Viele Musiker empfanden den untypischen Look der „platten“ E-Gitarre als hässlich und nichtssagend. Vielerorts wurde die Gitarre zunächst als „Schneeschaufel“ oder „Paddel“ bezeichnet. Jedoch realisierten die meisten Kritiker schnell den Nutzen der Erfindung, und so wurde die Telecaster bald zu einem größeren Erfolg als Leo Fender jemals zu träumen gewagt hatte.

Der Erfolg der Fender Telecaster

Nicht nur die problemlose Verstärkung der Telecaster ist dafür verantwortlich, dass die E-Gitarre bis heute noch so erfolgreich ist. Fast genauso wichtig für den Siegeszug der Tele war nämlich die Möglichkeit, die E-Gitarre günstig und in großen Mengen zu produzieren. Die Fender Telecaster ist nämlich nicht nur die erste E-Gitarre der Welt, sondern auch die erste Gitarre in Massenfertigung.  

Allerdings waren die ersten Serien-Modelle noch nicht so ganz perfekt. Leo Fender hatte nämlich ursprünglich geplant, den Hals ohne Trussrod zu bauen, um die Telecaster leichter und günstiger herstellen zu können. Fall sich mal einer der Hälse verziehen sollte, wollte Leo den Gtarristen einfach einen Replacement-Neck schicken. Diesen sollten die Musiker problemlos selber austauschen können. Genau aus diesem Grund ist der Hals der Tele übrigens auch bis heute geschraubt und nicht, wie bei anderen Gitarren, geleimt.

Dieses, zunächst brillante, Konzept scheiterte jedoch sehr schnell. Viele der ersten Esquire Gitarren wurden schon mit verzogenen Hälsen ausgeliefert, woraufhin Fender sein Konzept überarbeiten musste.

Charakteristischer Headstock einer Fender Telecaster
Der Headstock der Telecaster ist designtechnisch fest mit dem typischen Korpus der Telecaster verbunden. © LOUDER.com

Bei der Neuentwicklung kam es schnell zu weiteren Problemen. Um die Hälse möglichst günstig produzieren zu können, hatte Leo nämlich außerdem beschlossen, auf ein aufgeleimtes Griffbrett zu verzichten. Der Neck besteht seit jeher aus einem massiven Block Ahorn. Diese Sparmaßnahme führte aber zu dem Problem, dass man nicht einfach einen Trussrod zwischen Griffbrett und Hals einsetzten konnte.

Da Fender die Produktion nicht vollständig stoppen konnte, beschloss er schließlich, den Trussrod über die Rückseite in den Hals einsetzen zu lassen. Das dabei entstehende Loch sollte dann mit dunklerem Holz verschlossen werden. Diese Methode setzte sich schließlich durch. Bis heute ist der Hals der Tele klassischerweise komplett aus Ahorn, geprägt durch den sogenannten „Skunk Stripe“ auf der Rückseite.

Rückseite einer Fender Telecaster E-Gitarre in Sunburst Lackierung mit geschraubtem Hals und charakteristischem Skunkstripe.
Der "Skunk Stripe" ist bis heute ein charakteristisches Merkmal der Fender-Gitarren. © Fender Guitars

Der legendäre Sound der Fender Telecaster

Wenn Du den Klang der Tele beschreiben solltest, würden Dir wahrscheinlich sofort verschiedenste Begriffe einfallen. „Twang“, Country-mäßig oder doch eher rockig und durchsetzungsfähig? Jimmy Page, Prince oder doch eher Richie Kotzen? Wie klingt die Fender Tele denn jetzt eigentlich?

Natürlich ist der Sound in den Fingern, aber eine Telecaster klingt nun einmal wie eine Tele, und nicht wie eine Strat oder Les Paul. Der Singlecoil-Ton der Tele ist unverwechselbar und in legendären Rock Songs wiederzufinden. Zum Beispiel verwendete Jimmy Page (Led Zeppelin) für das Stairway to Heaven Solo seine 1959er Fender Telecaster. Auch Keith Richards hat seine „Micawber“ Tele aus den frühen 50ern für viele Rolling Stones Songs benutzt. Wenn du mal ein Lied der Stones in Open G spielst, kannst Du Dir sicher sein, dass Richards es mit seiner Fender Telecaster aufgenommen hat.

Aber auch clean kann die E-Gitarre richtig gut. Der Hals-Tonabnehmer eignet sich sogar hervorragend für traurige Balladen und melodramatische Popsongs. Und auch modernere Bands, deren Musik mein Vater immer liebevoll als „Geschrei“ abtut, entdecken die Tele in letzter Zeit wieder für sich. Die Tele eignet sich klanglich halt echt super für fast alle Einsatzzwecke. Charakteristisch, irgendwie vertraut und doch immer wieder neu!

Singlecoil in der typischen Patent Pending Bridge der Fender Telecaster
Verantwotlich für den Sound sind die speziellen Telecaster-Singlecoil-Tonabnehmer. Hier auch zu sehen: Die typische "Patent Pending" Bridge der Fender Telecaster. ©LOUDER.com

Selbstverständlich gilt auch für die Tele die Regel, dass der Klang der ersten Modelle am besten war. Der Vintage-Hype geht sogar so weit, dass der berühmte Gitarrist, Sänger und Gitarren-Sammler Joe Bonamassa (angeblich) eine Fender Telecaster aus jedem Produktionsjahr besitzen soll. Das wären inzwischen 67 Tele-Modelle. Verrückt, oder?

Die Fender Telecaster: Plattform für Modifikationen aller Art

Natürlich musst Du Dir keine sündhaft teure 52er Tele im Originalzustand kaufen, um den charakteristischen Telecaster-Klang zu erreichen. Sogar die günstigen Squier Telecaster*-Modelle bieten das Spielgefühl und den Klang, den man erwartet. Für eine günstige Alternative ist natürlich auch immer der Gebrauchtmarkt zu empfehlen. Neben einigen günstigen Fender Telecaster-Modellen findest Du hier auch immer eine Vielzahl an anderen verlockenden Angeboten.

Außerdem bieten diese günstigeren Teles eine hervorragende Basis für eine Vielzahl an spaßigen Bastelarbeiten. Dank der, nach wie vor, ziemlich einfachen Konstruktion der Gitarre sind alle Einzelteile schnell und einfach erreichbar. Und das läd natürlich zum Basteln, Modifizieren und Customizen ein!

Closeup Fender Telecaster Body mit der typischen Pickup-Konfiguration mit dem Lipstick am Hals ©LOUDER.com
Nicht zuletzt das einfache Layout der Telecaster läd zum Basteln ein! © LOUDER.com

Ein klassischer Mod ist das Austauschen der Pickups. Ein neues, hochwertiges Set an Tonabnehmern wertet vor allem günstigere Gitarren extrem auf. Und hochwertig heißt nicht zwingend teuer. Sogar ein originales Fender Custom Shop Tonabnehmer Set*  bekommst Du schon für unter 200€.

Alternativ bieten auch viele kleinere Hersteller großartige Pickups mit erstklassigem Sound an. Wenn Du nicht unbedingt auf Fender bestehst, wollen wir von LOUDER.com Dir AmberPickups wärmstens ans Herz legen. Die AmberPickups-Tonabnehmer werden nämlich alle von Hand in Deutschland gewickelt und bieten allerhöchste Qualität und phänomenalen Klang!

Eine weitere beliebte, sowie umstrittene Bastelei ist das Aging. Das ändert zwar nix am Sound, sieht aber verdammt cool aus und verleiht den meisten Gitarren einen gewissen Vibe. Wenn Du Bock auf ein Instrument im Vintage Look hast, check doch mal unseren Aging-Artikel!

Abschließend sei zu Mods gesagt, dass sie zwar cool sind, aber auch schiefgehen können. Am sichersten ist es immer, wenn Du einen professionellen Gitarrenbauer die Arbeiten verrichten lässt. Denn eine kaputte Telecaster nützt ja niemandem was!

Der Weg der Tele in die Moderne

Allgemein veränderte die Telecaster sich deutlich weniger, als z.B. die Fender Stratocaster. Nur Details sind in den letzten 60 Jahren „modernisiert“ worden. 22 Bünde anstatt 21 und sechs individuelle Sättel machen die Tele bis heute zu einer der beliebtesten Gitarren für Anfänger und junge wie alte Talente.

Um diesen Status zu halten, musste Fender aber über die Jahre sehr innovativ arbeiten und neben der normalen Telecaster viele neue Modelle einführen. So gibt es inzwischen auch einige „glamourösere“ Modelle zu kaufen. Die Fender AM Pro Tele* hat zum Beispiel ein Griffbrett aus Palisander. Die Modern Player* und Nashville Deluxe Telecaster* eröffnen dank drei Singlecoil Tonabnehmern eine größeres Klang-Spektrum.

Besonders ausgefallen sind auch die Fender 72 Telecaster Deluxe* und die 72 Thinline Telecaster*. Humbucker anstatt Singlecoils und ein Semi-Akustischer Korpus kontrastieren hier die ursprüngliche Idee des Gründers. Auch die Fender bzw. Squier Jim Root Telecaster* ist mit EMG Pickups und flacherem 12“ Griffbrett eher eine „Shred Machine“, als eine klassische Tele.

Telecaster Modifikation mit zwei Humbuckern
Noch ein neueres Modell: Die Fender "Standard Telecaster HH" eignet sich mit ihren zwei Humbucker Pickups perfekt für alles, was laut und verzerrt ist! ©Lifecut Photo

Die Fender Telecaster: Eine bodenständige Legende

Dank moderner Produktionsmethoden ist die Tele heute mehr, als nur die günstige E-Gitarre für jedermann, die sie einmal war. Obwohl man die Standard Telecaster Modelle aus Mexiko und Amerika nach wie vor erstaunlich günstig kaufen kann, hat sich die E-Gitarre dennoch weiterentwickelt. Einer riesige Auswahl an Fender und Squier Telecaster-Modellen bietet sich perfekt für jedes Genre von Jazz bis Metal an.

Ob Fender Strat oder doch lieber Tele entscheidet im Endeffekt Dein Geschmack. Der Streit, welche Gitarre „besser“ klingt, wird wohl nie abgeschlossen werden. Dank Tonabnehmer-Herstellern wie AmberPickups ist es heute möglich, eine Spitzengitarre mit einmaligem Sound zu erhalten. Für viele Gitarristen ist die Tele auf jeden Fall der richtige Ausgangspunkt zum eigenen Sound. Auch für Dich?

 

 

Vielen Dank an Uli’s Musik in Köln, bei dem wir nicht nur einen granatenstarken Espresso bekamen, sondern auch die Fotos zu diesem Artikel aufnehmen duften.

 

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